Wohin mit alten Elektrogeräten? Tipps zum Umgang mit alter Technik

Millionen ungenutzter Handys, Computer, Laptops und Spielekonsolen schlummern in Schubläden, Kellern und Speichern. Oft noch voll funktionsfähig, mussten sie neueren Versionen weichen. Vor allem nach Neukäufen an Rabatttagen oder nach Weihnachts- und Geburtstagsfesten werden sie ausgemustert und ihre Besitzer fragen sich: Wohin damit? Technik-und Entsorgungs-Experte Alexander Hauk gibt Tipps und Ratschläge wie man alte Technik sinnvoll los wird oder ihr neues Leben einhauchen kann – und was bei der Entsorgung der Geräte und der Daten zu beachten ist.

In den Hausmüll dürfen alte oder defekte Elektrogeräte nicht geschmissen werden und wegen der verbauten Rohstoffe sind sie dafür auch viel zu wertvoll. In jedem Mobiltelefon stecken bis zu 60 kostbare Rohstoffe, die recycelt werden können. Allein in den nicht mehr genutzten Mo- bilfunkgeräten stecken insgesamt mehrere hundert Kilogramm Gold. Dazu kommen zahlreiche weitere Stoffe, sogenannte Seltene Erden, die bei der Produktion verwendet werden. Durch ihre Wiederverwendung können Ressourcen geschont und die Umwelt geschützt werden.

Seit Juli 2016 müssen Elektronikmärkte und Onlineshops Elektroschrott zurücknehmen. Schlauer ist es, noch funktionierende Elektronikgeräte zu verkaufen, zu verschenken oder zu tauschen. Vor der Entscheidung sollte man prüfen, ob sich das Altgerät reparieren, aufrüsten oder weiter verwenden lässt. Gebrauchte Rechner eigenen sich ideal als Ersatz-PC. Alte Lauf- werke können auch als externe Geräte weitergenutzt werden. Mehrere Hersteller bieten für Notebook-Laufwerke USB-Gehäuse an.

Viele Defekte an Elektrogeräten lassen sich leicht beheben, wenn man nur weiß, wie. Für Reparaturen können sich Technik-Laien professionelle Hilfe in einem sogenannte Repair-Café holen, die es in immer mehr Orten gibt. Ob Staubsauger, Mixer oder elektrische Zahnbürste: In den Selbsthilfe-Werkstätten stehen ehrenamtliche Mitarbeiter gerne mit Rat und Tat zur Seite. Eine Liste mit Repair-Cafés und Reparatur-Initiativen finden Interessierte im Internet.

Wer ein altes Smartphone hat, kann es auch als Überwachungskamera weiter nutzen. Technologieunternehmen wie Smartfrog bieten nicht nur eine Überwachungskamera fürs Zuhause an, sondern auch kostenfreie Apps, die es ermöglichen, das alte Smartphone in eine Überwa- chungskamera zu verwandeln. Es genügt, die App auf beiden Handys zu installieren – ein Smartphone dient dabei als Kamera. Über das Internet können Nutzer dann mit dem zweiten Handy von überall sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Daneben lassen sich alte Handys auch als Musik-Player oder Universalfernbedienung weiterverwenden.

Geld verdienen mit alten Elektrogeräten

Alternativ lassen sich Smartphones, aber auch Computer und Digitalkameras, gut verkaufen. In den vergangenen Jahren hat sich für gebrauchte Elektronik-Geräte ein reger Markt entwickelt. Neben bekannten Auktionsplattformen wie Ebay und Verkaufsportalen wie Ebay Klein- anzeigen gibt es zahlreiche Ankaufsportale wie wirkaufens.de oder rebuy.de. Die Abwicklung ist denkbar einfach: Man sendet sein altes Handy, Tablet oder seine Spielekonsole ein und erhält je nach Zustand des Geräts einen Geldbetrag auf das eigene Bankkonto überwiesen. Die Ankäufe werden von den Mitarbeitern der Unternehmen gereinigt, aufgearbeitet, gegebenenfalls aufgerüstet und weiterverkauft. Allerdings: Auch, wenn das Altgerät einmal sehr teuer war, das große Geld darf man nicht erwarten. Schließlich wollen die Händler auch noch einen Gewinn erzielen.

Geräte, die nicht mehr einwandfrei funktionieren, finden schwer einen Käufer. Besser sieht es bei einzelnen Komponenten aus den Altgeräten aus. Es gibt überraschend viele Menschen, die nach Ersatzteilen für den eigenen Computer suchen, wie zum Beispiel eine Grafikkarte oder einen CPU-Lüfter. Wer die Mühen des Auseinandernehmens und der Kaufabwicklung nicht scheut, kann auf diese Weise kleines Geld dazuverdienen. Wer sich dagegen möglichst kurz und schmerzlos von seinem Altgerät trennen möchte, kann es kostenlos beim Händler oder Hersteller zurückgeben. Einige Mobilfunkanbieter und Elektromärkte geben sogar Gut- scheine für die Rückgabe von Altgeräten, die beim Kauf von Neugeräten angerechnet werden.

Einfach Gutes tun

Natürlich kann man sein Altgerät auch verschenken oder für einen guten Zweck spenden. So sammelt zum Beispiel der Förderverein „Das macht Schule” funktionierende Hardware und stellt sie Schulen kostenfrei zur Verfügung. Auch der Verein Computer Spende Hamburg und der Soziale Computerladen in Berlin geben gespendete Computer kostenfrei an Bedürftige weiter.

Unternehmen wie das Berliner Sozialkaufhaus Help oder Va Bene im bayerischen Mindelheim nehmen alte Elektronikgeräte gerne entgegen, um sie entweder weiterzuschenken oder um sie an Menschen mit wenig Geld günstig abzugeben. Auf Portalen wie nebenan.de kann man seine Altgeräte an Interessierte in der unmittelbaren Nachbarschaft verschenken. Zahlreiche Unternehmen wie die Berliner Stadtreinigung bieten auf ihren Internetseiten einen Tausch- und Verschenkmarkt an.

Persönliche Daten vor Weitergabe löschen

Unabhängig, was mit den Altgeräten geschehen soll: Verkäufer, Spender oder Tauscher soll- ten unbedingt darauf achten, dass sich auf Computern und Speicherkarten keine persönlichen Daten mehr befinden. Dabei reicht es nicht aus, private Dateien in den Desktop-Papierkorb zu ziehen. Durch Formatierung und mit Lösch-Software lassen sich Daten und Passwörter über- schreiben und entfernen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Festplatte ausbauen und mit einem Hammer zerstören. Smartphones sollten auf Werkseinstellung zurückgesetzt werden, um Dateien zu löschen.

Zwar gilt im Sinne von Umweltschutz und Ressourcen-Schonung, dass Wiederverwendung und Weiterverwertung vor Entsorgung geht, allerdings: Wenn sich Altgeräte oder Teile davon weder weiternutzen, verkaufen, verschenken oder tauschen lassen, bleibt als letzter Ausweg immer noch der Wertstoffhof. Alte Handys und Computer dürfen nicht einfach in den Hausmüll geworfen werden und müssen fachgerecht entsorgt werden. Laut Bundesumweltamt können bis zu 80 Prozent der verwendeten Materialien recycelt werden.

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