Hongkonger Start-up Trends: IoT und Wearables

Die florierende IoT-Industrie bietet Einzelpersonen und Unternehmen in Hongkong noch nie dagewesene Chancen, durch die Verbindung von Mensch, Geräten, Equipment und Daten die Wertschöpfung zu erhöhen.

BildVerbundene Smartphones, Funktionskleidung, Uhren, Haushaltsgeräte, Betriebsmittel, Bürogebäude, Logistik-Flotten und vieles mehr werden sich dieser Entwicklung anschließen.

IoT-fähige Geräte beeinflussen das tägliche Leben und verändern etwa die Abläufe im Gesundheitswesen, die Steuerung von Haushaltsgeräten und die Bedienung von Produktionsanlagen. Zudem sind wesentliche Vorteile für Branchen wie Chemie, Energie, Logistik, Landwirtschaft und viele andere zu erwarten.

Vorteil ist auch Hongkongs Nähe zu Shenzhen, einem großen Industriezentrum mit einem Cluster von Elektronik-Unternehmen. Die Hongkonger Start-ups, die in die Entwicklung von IoT-Technologie und Hardware-Produkten involviert sind, profitieren von der Kombination von Hongkonger Produktdesign und Prototypenbau mit der Massenproduktion in Shenzhen.

Das Gesundheitswesen steht allgemein vor großen Herausforderungen: So bedeutet eine alternde Bevölkerung mehr Menschen mit chronischen Krankheiten und komplexeren, medizinischen Bedürfnissen. Auf Platz eins der Gesundheitsrisiken stehen weltweit die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung leidet unter zu hohem Blutdruck. Dazu kommt eine hohe Anzahl von Menschen, bei denen der Bluthochdruck noch nicht diagnostiziert wurde.

Daher investieren viele Gesundheitsdienstleister in Remote-Patient-Monitoring-Lösungen (RPM), um das Gesundheitswesen zu entlasten. Da RPM die Kliniken unmittelbar mit den Patientendaten versorgt, wird die tägliche Routine effizienter. Die Folgen sind eine qualitativ hochwertigere Versorgung für mehr Patienten, ein niedrigeres Burnout-Risiko beim Personal und geringere Kosten sowie höhere Effizienz bei den Dienstleistern.

Eine Gruppe von Hongkonger Fachleuten gründete daher das Start-up Heartisans für eine verbesserte Gesundheitskontrolle bei älteren Menschen. Das Start-up nimmt am Hongkonger Accelerator AIA teil und erhält so Zugang zu Finanzierung und Mentorship. Sang Yeon Hwang, Mitbegründer von Heartisans, erläutert: “Wir führten vorab eine Umfrage mit 120 Personen durch, um das Verbesserungspotential der aktuellen Blutdruck-Monitoring-Methode herauszufinden. Für die Mehrheit der Befragten dauerte das Verfahren zu lange und sie empfanden es als zu umständlich. Gewünscht wird eine Methode, die jederzeit und überall anwendbar ist. Nach einem mehrmonatigen Austausch mit Experten und Anwendern entwickelten wir ein smartes, tragbares Gerät, mit dem jederzeit und überall Blutdruck, Pulsschlag und Arrhythmie messbar sind. Wir sind überzeugt, dass unser Produkt die Nachteile der aktuellen Blutdruck-Monitoring-Methode beseitigt. Es liefert einen Anreiz, sich aktiv mit der eigenen Krankheitsbewältigung auseinanderzusetzen und mehr Verantwortung für die Gesundheit zu übernehmen. Auf lange Sicht wird dies die Abhängigkeit vom öffentlichen Gesundheitswesen reduzieren.”

In wenigen Monaten will Heartisans mit der Massenproduktion starten. Dabei bietet Hongkong dem Start-up einen geographischen Vorteil – die Nähe zu Shenzhen. Noch ist das Start-up allerdings auf der Suche nach einer weiteren Finanzierungsrunde von rund einer Million USD für die Herstellung und die Markteinführung. Für das Marketing baut Heartisans derzeit eine Liste mit direkten Ansprechpartnern für die Produktpromotion auf. Das Start-up verfügt über ein kleines Inhouse-Team, das das digitale Marketing einführt und kontrolliert. Bald wird es auch eine E-Commerce-Webseite geben, die direkt an die Verbraucher weltweit verkauft.

“Derzeit suchen wir aktiv nach Vertriebspartnern und Einzelhändlern für unsere Produkte. Wir haben uns bereits auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentiert und werden demnächst mehrere tausend Artikel dorthin verschiffen, um den Markt zu testen. Aus unserer Sicht haben unsere Produkte nicht nur in Hongkong großes Potenzial, sondern auch in den USA, Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Also überall dort, wo die Menschen gesundheitsbewusster sind”, erklärt Hwang.

Um die Marke bekannter zu machen, sucht das Start-up nach Präsentationsmöglichkeiten auf Inno-Tech- und Healthcare-Konferenzen. Hwang ist überzeugt, dass das Zusammentreffen mit Unternehmern aus aller Welt neue Ideen in die Firma bringt und sie mit neuesten Markttrends Schritt halten lässt.

Comma Technology, ein weiteres Start-up aus Hongkong, wurde zu Beginn des von der Hongkonger Regierung initiierten “Technology Start-up Support Scheme for Universities” (TSSSU) im Oktober 2014 gegründet. Ziel der Gründer ist, sichere, effiziente und komfortable Mobilitätslösungen mit Wearable-Computing-Technologien für Unternehmen zu entwickeln und damit Kosten zu senken.

Leon Kong, CEO von Comma Technology, erklärt: “Wir führen smarte Wearable-Technology-Geräte und Systeme in traditionellen, gewerblichen Umgebungen ein, etwa in Produktion, Logistik und Krankenhäusern. Unsere Lösungen verbessern nicht nur die Datenerfassung, sondern auch das Datenmanagement und die Effizienz der Betriebsabläufe.”

Das Start-up erhielt bereits den Silver Award im GS1’s IoT Wettbewerb. Wegen seiner Innovation und Marktfähigkeit wurde es auch von der TSSSU@HKU ausgewählt, ein Vergabeverfahren der University of Hong Kong (HKU), das von HKU-Mitgliedern gegründete Technologie-Start-ups finanziell unterstützt. Dieses Stipendium läuft über drei Jahre und beinhaltet auch finanzielle Unterstützung von einer Großbank auf dem chinesischen Festland.

“Basierend auf unserer unabhängigen Recherche und der Entwicklung von miniaturisierten, integrierten Platinen wurden eine Reihe von Wearable-Industrial-Geräten für die Datenerfassung entwickelt. Eines unserer Produkte integriert RFID-Leser (Radio Frequency IDentification), Barcodescanning, Temperatursensoren und andere Funktionen, die für die Datenerfassung in komplexen Szenarien geeignet sind. Unsere Wearable-Geräte sind benutzerfreundlicher als PDA (Personal Digital Assistant) oder Mobiltelefone, da sie leicht, drahtlos und freihändig bedienbar sind”, erläutert Kong

“Wenn man in einem Lager arbeitet, scannt und Kisten bewegt, weiß man, wie wichtig es ist, seine Hände frei zu haben. Barcode-Scanner bisheriger Form sind nicht die beste Lösung für mobile Arbeitskräfte, deshalb bieten wir Wearable-Scanning-Lösungen an, die komfortabel sind und die Mobilität sichern.”

“Unsere Wearable-Lösungen sind auch für große Produktionsanlagen mit umfangreichem Equipment und solchen mit hohen Sicherheitsbelangen wertvoll. In einem großen Polysilizium-Produktionswerk in China, das einer Größe von zehn Fußballfeldern entspricht, haben wir bereits eine Real-Life-Gesamtlösung realisiert. Dort gibt es strenge Anforderungen, um regelmäßig den Druck, die Temperatur und die Vibrationen aller mehr als 8.000 Anlagen zu kontrollieren. Hierfür sind unsere Wearable-Lösungen sehr gut geeignet.”

Zunehmend stoßen Industrial-Wearable-Geräte im betrieblichen und industriellen Umfeld auf großes Interesse und gewinnen an Marktdynamik. Unternehmen verschiedener Branchen führen bereits Testverfahren mit unterschiedlichen Wearable-Geräten für vielseitige Anwendungen durch. Kong hofft, dass durch kontinuierliche R&D-Bemühungen eine Brücke zwischen Industrien und IoT-Wearables geschlagen werden kann, um den Übergang von der Industrie 2.0 zur Industrie 4.0 zu unterstützen.

Optimistisch in die Zukunft blickend hat Comma Technology bereits eine Niederlassung in Shenzhen gegründet, um dessen Standortvorteile zu nutzen. “Shenzhens Vielzahl an Ingenieuren mit Universitätsabschluss macht es zu einem globalen Zentrum für Produkt-Prototypen”, so Kong.

Comma Technology plant noch in diesem Jahr den Schritt in ausländische Märkte. Hier sieht Kong die effektivste Form für die Markterweiterung im Verkauf der Hardware-Geräte in großen Chargen durch Händler. Eine andere Strategie werde auf dem chinesischen Festland praktiziert, wo man vor allem an Gesamtlösungen interessiert sei.

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