Dritter Anlauf: Benko gegen Galeria Kaufhof

Der Milliardär Rene Benko will durch seine Signa Holding sich die deutsche Galeria Kaufhof sichern.

Der österreichische Milliardär Rene Benko will Insidern zu Folge durch seine Signa Holding sich die deutsche Galeria Kaufhof sichern. Ob dies gelingt ist allerdings völlig unklar.

Das berichtet das Online-Magazin FAIReconomics diese Woche. Es gebe untrügliche Anzeigen, so Markus Lichtenberg, der zuständige Redakteur, das die Signa Holding etwa in diese Richtung plane. So habe die Signa Holding ihr Stammkapital jüngst um eine Milliarde Euro erhöht.

Inzwischen wäre das der dritte Anlauf des Österreichers, dem mit der Signa Holding schon Karstadt gehört. Er möchte Karstadt und Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG verschmelzen.

Markus Lichtenberg: “Benko will Kaufhof kaufen um Karstadt zu retten”. Karstadt habe nicht die Größe, um eine Einkaufsmacht gegenüber den Herstellern darzustellen. Nur mit Kaufhof zusammen könnte er gegen die geballte Macht der wichtigsten Lieferanten durchkommen. Berechnungen von Fachleuten hätten ergeben, dass dies etwa ein Drittel mehr an Preisnachlässen als bislang ergäbe.

Zudem setze die digitale Transformation beiden Kaufhäusern zu, wobei Kaufhof hier besser als Karstadt aufgestellt sei.

Ob es dem österreichischen Immobilientycoon allerdings tatsächlich um den Erhalt der Kaufhäuser geht und nicht nur um die Sicherung der Flächen geht, darüber gehen die Meinungen in Deutschland auseinander. Kaufhäuser wie Kaufhof und Karstadt gelten im Einzelhandel, aber auch im städtischen Stadtplanung, nach wie vor als wichtige Anker und Magneten für das innerstädtische Leben. Umso schwerer wiegt es für die Innenstädte und Stadtteilzentren, wenn attraktive Einzelhandelseinrichtungen wegfallen. Handels- und Immobilienexperten sehen Benkos Interesse an der Kaufhausfusion mittel- und langfristig lediglich an der Immobilie ausgerichtet, denn diese befänden sich überwiegend in 1a Lagen der Innenstädte. Durch eine gemischte Nutzung aus Büros, Wohnen und Einzelhandels-Verkaufsflächen brächten diese Standorte erheblich mehr Rendite, als durch das reine Retailgeschäft.

Finanzierungsstrategie

Übrigens halten sich alle Beteiligten bei diesem Deal erstaunlich zurück. Weder die Handelsverbände oder sonstige Betroffene wollen sich offen äußern. Jemand aus dem Umfeld des österreichischen Milliardärs lässt unterdessen verlauten, eine Investmentbank sei inzwischen beauftragt. Zudem scheinen sich einige Medien auf die Kaufhauskette einzuschießen, was Benko gefallen könnte, weil dies den Preis drückt. Auch wenn Kaufhof einen Sanierungstarifvertrag mit den Gewerkschaften anstrebt, wie diese Woche bekannt wurde, gegen die schlechte Lage beim Kaufhof sprechen einige Zahlen, Daten und Fakten: Zum einen steht die Kaufhof Mutter HBC nicht so schlecht da, wie es die gegen Kaufhof losgetretenen Kampagne Glauben machen will. Die meisten Immobilien sind konzerneigen und müssen nicht teuer im Sale- und Leasebackverfahren über das Retailgeschäft finanziert werden. Immobilieneigentum wie das Saks Fifth Avenue Building in New York City oder hochwertige 1a Immobilie in Beverly Hills, Montreal oder Toronto machen Hudson Bay zu einem starken Player.

Aus der ersten Übernahmeschlacht um Kaufhof ist übrigens überliefert, dass Benko auch deshalb nicht den Zuschlag bekommen habe, weil damals ein Ermittlungsverfahren gegen den Immobilientycoon in Österreich gelaufen ist. Der damalige Metro-Aufsichtsratschef verhindert den Deal damals mit den Worten: “Mit Verbrechern machen wir keine Geschäfte.”

Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren und eine rechtskräftige Verurteilung des Immobilientycoons. Am 2. November 2012 wurde Benko wegen “versuchter verbotener Intervention”, man könnte auch Schmiergeldzahlungen dazu sagen, zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Benkos Steuerberater im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister IVO Sanader 150.000 Euro dafür geboten hätte, ein gegen Benko in Italien anhängiges Verfahren zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde später höchstrichterlich bestätigt. Auch in andere Skandale ist der smarte österreichische Multimilliardär immer wieder verwickelt. So gibt es zweifelhafte Finanziers, die ihm dem Karstadt-Deal vor einigen Jahren finanziert haben, und die heute wegen der unterschiedlichsten Delikte vor Gericht stehen. Auch in das dirty Campaigning bei den dieses Wochenende bevorstehende Österreichischen Parlamentswahlen soll Benko mit einbezogen sein.

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