Alarmierende Zustände im Schulsystem – Förderung fällt wegen Corona aus!

Alarmierende Zustände im Schulsystem – Förderung fällt wegen Corona aus!

Alarmierende Zustände im Schulsystem - Förderung fällt wegen Corona aus!

Logo Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL)

Die Ergebnisse einer Elternumfrage des BVL (Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.) zeigen einen gravierenden Fördermissstand in Schulen, der sich durch die Pandemie deutlich verschärft hat. Das Aufholpaket des Bundes löst die dramatische Situation der Kinder nicht.

Die Bundesregierung hat im Mai 2021 ein Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ für Kinder und Jugendliche verabschiedet. Zum Abbau der Lernrückstände soll 1 Milliarde Euro bis einschließlich 2022 eingesetzt werden. „Wir sind mehr als enttäuscht, dass man bei ca. 8,3 Millionen Schüler*innen nur 120 Euro pro Schüler*in veranschlagt, um die Lernrückstände aufzuholen. Ganz vergessen werden die Kinder, die eine individuelle Förderung benötigen, weil sie massive Probleme im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen haben. Über 2 Millionen Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf werden schlichtweg vergessen“, beklagt Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL.

Eine aktuelle Elternumfrage des BVL zeigt die massiven Probleme in unserem Schulsystem. 63% der Schüler*innen mit Förderbedarf haben zu Corona-Zeiten keine schulische Förderung erhalten; fehlende individuelle Förderung beklagen 78% der Eltern und 71% die nicht ausreichende Förderkompetenz der Lehrkräfte. Über die Hälfte der Kinder (55%) erhält bereits eine außerschulische Förderung, die hauptsächlich von den Eltern finanziert wird. Unser Bildungssystem kollabiert nicht nur zu Corona-Zeiten, sondern ist bereits seit vielen Jahren am Limit, wie die Umfrage zeigt.

Kinder müssen die Kulturtechniken des Lesens, Schreibens oder Rechnens bestmöglich lernen, denn darauf baut ihre gesamte weitere Bildung auf. Wenn bereits über 50% der Kinder mit Förderbedarf außerschulische Förderung erhalten, versagt unser Bildungssystem. Eltern geben monatlich über 250 Euro aus, um fachkompetente außerschulische Förderung zu finanzieren. Kinder aus finanziell benachteiligten Familien fallen durchs Raster. Den Weg zum Jugendamt gehen die wenigsten Eltern und auch dort sind die Gelder knapp. Mit dem Aufholpaket können nur 14 Tage Förderung pro Schüler*in finanziert werden, und es erfasst nicht die kritische Lage vieler Kinder und Familien.

600 Milliarden Euro wurden von der Regierung als Wirtschaftsstabilisierungsfond bereitgestellt und bisher nur 3,7 Milliarden Euro abgefordert. Das nicht abgeforderte Geld muss dringend in die Bildung fließen, damit junge Menschen eine gute Ausbildung erhalten, um zukünftig als qualifizierte Fachkräfte der Wirtschaft zur Verfügung zu stehen. „Wenn wir noch nicht einmal die Ressourcen bereitstellen, Grundschüler*innen ausreichend Lesen, Rechtschreiben und Rechnen beizubringen, über 25.000 Grundschullehrkräfte fehlen, die ihnen diese Basisfertigkeiten vermitteln und alle nur zuschauen, ohne zu handeln, dann läuft hier grundsätzlich etwas schief. Das ist schon lange kein schulisches Problem mehr, sondern wird zur volkswirtschaftlichen Katastrophe“, sagt Scherle.

Kinder und Lehrkräfte werden von der Bildungspolitik allein gelassen. Qualifizierte außerschulische Förderkräfte können nur unter erschwerten Bedingungen in die schulische Förderung eingebunden werden, weil es an der Bürokratie scheitert. Der Beruf Lehrer*in wird immer unattraktiver und deswegen fehlen Nachwuchskräfte. Durch diese Missstände und fehlende Investitionen in die Bildung geht Deutschland viel Wirtschaftskraft verloren. „Wir haben bereits im Mai 2020 bei den Ministerien ein Nothilfepaket gefordert und erst nach Monaten die Antwort erhalten, dass die Ministerien alles im Blick haben. Wo bleiben die Maßnahmen, um Kindern eine Bildungsperspektive zu geben und seelisches Leid zu ersparen? Das „Aufholpaket“ ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und es müssen dringend tragfähige Konzepte für Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf bereitgestellt werden“, fordert die BVL-Bundesvorsitzende Tanja Scherle.

Die Ergebnisse der Elternumfrage sind im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

Über den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.:

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. besteht seit über 45 Jahren und ist eine Interessenvertretung von Betroffenen und deren Eltern sowie von Fachleuten (Pädagogen, Psychologen, Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und im sozialen Bereich Tätigen), die sich in Theorie und Praxis mit der Legasthenie und Dyskalkulie auseinandersetzen. Er trägt dazu bei, dass gesetzliche Grundlagen und wissenschaftliche sowie praktische Möglichkeiten der Hilfe in allen Bundesländern geschaffen und verbessert werden. Durch persönliche Beratung, Informationsschriften und Hinweise auf geeignete Literatur sollen die Eltern die Schwierigkeiten ihrer betroffenen Kinder besser verstehen lernen.

Der BVL fördert durch wissenschaftliche Kongresse und Veröffentlichungen die Forschung und den wissenschaftlichen Dialog unter Fachleuten aller beteiligten Disziplinen. Durch Informationen und Zusammenarbeit mit den Medien macht der BVL die Probleme von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie bekannt.

Weitere Informationen: http://www.bvl-legasthenie.de

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