KHN-Medienkommentar: Dr. Lars Pracejus zum Focus-Interview mit Manfred Lütz

Medienkommentar von Dr. Lars Pracejus zum Focus-Interview mit dem deutschen Arzt Manfred Lütz.

KHN-Medienkommentar: Dr. Lars Pracejus zum Focus-Interview mit Manfred Lütz
Dr. Lars Pracejus referiert mit KnowHowNow

(KnowHowNow / Bode Relations. Gießen, den 26.10.2012) Vor einigen Wochen berichtete das Nachrichten-Magazin Focus über ein Interview mit dem deutschen Arzt Manfred Lütz. Im Artikel vom 15. September 2012 wird unter anderem die Aussage getroffen, Burnout gäbe es als Krankheit gar nicht. Für uns von KnowHowNow ist das natürlich der richtige Anlass gewesen, diese Thematik mit unseren Experten nochmals zu durchleuchten. Die Publikation des Focus ist für jeden Interessenten öffentlich einsehbar.

Wir fragen Dr. Lars Pracejus, unseren Referenten für Psychotherapie aus Gießen, nach einem Medienkommentar, um uns – wie man in der Medizin so häufig rät – eine zweite Meinung einzuholen.

Wie steht es um den Burnout?

KHN:
Im Gespräch mit dem Focus könnte es scheinen, als würde Manfred Lütz nicht viel von Psychotherapeuten und deren Kompetenz halten. Wie beurteilen Sie selbst als Fachmann den interessanten Artikel? Kann man Lütz wirklich so interpretieren in Ihren Augen?

Dr. Lars Pracejus:
Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und ärztlicher Psychotherapeut. Ein Kollege aus den eigenen Reihen kann am fundiertesten beurteilen, in welchen Bereichen wir genauer hinsehen sollten und kritisch sein müssen. Jemand, der professionell hinter die Kulissen sieht, kann am ehesten konstruktiv auf die Missstände hinweisen. Wenn es dann auch noch so humoristisch und pointiert geschieht, wie in seinen Publikationen, dann ist das genaue Hinsehen und -hören besonders angebracht.

KHN:
Wir haben zum Thema Burnout schon viele Experten neben Ihnen befragt. Zum Einstieg noch einmal mit Ihren Worten: Was beschreibt das Burnout-Syndrom?

Dr. Lars Pracejus:
Das ist von der WHO (der Welt-Gesundheitsorganisation) noch nicht verbindlich festgelegt, weshalb diese Diagnose auch vorsichtshalber vermieden werden sollte (laut 46/2011 Deutschem Ärzteblatt). Je nach Quelle gibt es unterschiedliche Definitionen. Eine davon ist die Kombination aus starker Verausgabung, geringer Belohnung und wenig Einfluss auf die Umstände, die zu einem Gefühl des Ausgebrannt-Seins führen kann.

KHN:
Würden Sie unterstreichen, dass Burnout eine Kurzdiagnose ist, um eine lange Beschäftigung mit Einzelbefunden zu vermeiden?

Dr. Lars Pracejus:
Eine Kurzdiagnose bedingt nicht sofort eine Kurzzeittherapie. Der Begriff „Burnout“ umreißt im Gespräch unter Behandelnden kurz und knapp, worum es geht. Für die individuelle Therapie bleibt dem Behandelnden die lange Beschäftigung mit Einzelbefunden nicht erspart. Daher richtet die so genannte Kurzdiagnose in den richtigen Händen auch wenig Schaden an. Schwierig wird es erst dann, wenn „Burnout“ unter Laien zum Aushängeschild wird. Zum Beispiel darf dieser Begriff kein Pflichtpunkt im Lebenslauf eines Managers werden, nur weil es sich schick anhört. Vor einigen Jahren war der Begriff „Borderliner“ unter Jungendlichen schick und angesagt. Der Kollege Klaus Neumann, Psychologe vom Kinderschutzzentrum München, sagte dazu: “Ich wette, wenn das Syndrom nicht Borderline, sondern Hundescheiße hieße, dann würde das niemand haben wollen.” Mit „Burnout“ verhält es sich ein bisschen ähnlich.

KHN:
Wie beurteilen Sie die Aussage, Laien würden die Fähigkeiten von Psychotherapeuten überschätzen?

Dr. Lars Pracejus:
Das kann passieren und hat zwei Ebenen. Die erste ist die konsumatorische Haltung, dass der Psychotherapeut mein Problem richtet, ohne dass ich mein Verhalten ändern müsste. Dass das nicht geht, erklärt sich von selbst. Der zweite Aspekt ist, dass auch der Psychotherapeut die Umgebungsbedingungen (hoher Leistungsdruck, mürrischer Chef, konkurrierende Kollegen) nicht ändert. Der Therapeut kann nur dabei begleiten, die eigene innere Haltung zu diesen Dingen zu ändern (Was will ich wirklich?) oder den Einfluss des Patienten (Bewerbung, Kündigung, Trennung) geltend zu machen.

KHN:
Vorurteile gegen die Psychotherapie in den eigenen Reihen? Wie denken Sie selbst über psychotherapeutische Arbeit?

Dr. Lars Pracejus:
Ein „Vor“-Urteil ist es ja nur dann, wenn nicht genug Daten vorliegen, um die Aussage zu untermauern. Einem Kollegen, der Jahrzehnte in diesem Gebiet arbeitet, müssen wir zugestehen, dass seine Aussage die Qualität eines „Urteils“ hat. Der Kollege Lütz kritisiert aber nicht die Psychotherapie an sich, sondern „selbsternannte Burnout-Experten“ und unrealistische Erwartungen an den Psychotherapeuten. Darin stimme ich ihm zu.

KHN:
Manfred Lütz spricht von einem Psychoboom in der heutigen Zeit. Wie möchten Sie diese Begriffsfindung erläutern und kommentieren?

Dr. Lars Pracejus:
Sein neues Buch „Bluff“ steht noch auf meiner Liste der möglichst bald zu lesenden Bücher. Ein Psychoboom kann daher resultieren, dass die klinische Psychologie als relativ junge, medizinische Fachdisziplin endlich ernst genommen wird und die Einheit aus Psychosomatik und Somatopsychologie erkannt wird. Aber auch hier darf nicht alles an das Fachpersonal delegiert werden. Wenn jemand jahrelang Raubbau an Körper und Psyche betreibt, kann derjenige nicht beides wie ein Auto in die Werkstatt bringen.
Prävention, Ausgleich und Pflege von Ressourcen müssen beizeiten gepflegt werden. Und die Aussage, der eigenen Kraft zu vertrauen, unterschreibe ich sofort.

KHN:
Wir danken Ihnen herzlich für Ihren ausführlichen Kommentar!

Pressekontakt:
Im Gespräch Dr. Lars Pracejus. Praxis: Südanlage 12, 35390 Gießen. Diplom-Psychologe
aus Gießen und Spezialist für Psychotherapie und Hypnotherapie, Hessen. Promotion (rer.
nat.) und Studium der Psychologie und Medizin an der Justus Liebig Universität Gießen.
Internetpräsenz des Referenten: http://www.hypno-dialog.de
Interviewkennung bei Rückfragen an KnowHowNow: med/0019

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