Harmonisierung von Bildungsstandards in der EU verfehlen ihre Ziele

Harmonisierung von Bildungsstandards in der EU verfehlen ihre Ziele

Bildungstagung in Mainz am 30. Januar: ALFA kritisiert Ergebnisse der Bologna-Reform und pocht auf Qualität bei Bildung und beruflicher Ausbildung

BildDie Bemühungen um die Harmonisierung von Bildungsstandards in der Europäischen Union treiben in der Praxis seltsame Blüten, versprechen oft Lösungen ohne sie zu erzielen und haben vieles im Sinn – nur nicht Qualität. Dies war der gemeinsame Nenner mehrerer Vorträge einer Fachtagung der europäischen Stiftung “New Direction” (NDF), an der auch zahlreiche Mitglieder von ALFA (Allianz für Fortschritt und Aufbruch) am vergangenen Wochenende in Mainz teilgenommen hatten. Bei der Berufsausbildung wie auch beim Versuch, mit der Bologna-Reform einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, seien Fehlentwicklungen in Europa unübersehbar, die sich am Ende negativ auf die Qualität der Ausbildung niederschlagen.

Insbesondere der Bologna-Prozess, die auf europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen sowie auf internationale Mobilität der Studenten zielende transnationale Hochschulreform, habe so gut wie keines der einst hochgesteckten Ziele erreicht. Die Quote der Studienabbrecher sei unvermindert hoch, die Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse und Abschlussnoten habe nicht zu- sondern abgenommen, die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Studenten bliebe aus und eine Steigerung der Mobilität der Studenten zwischen den Universitäten der EU-Länder sei nicht feststellbar. Prof. Uwe Zimmermann, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der ALFA in Rheinland-Pfalz, sagte, es sei zwar die Studiendauer gesunken, jedoch habe die Unzufriedenheit des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit der Qualifikation der Studenten zugenommen. Die Zahl der Studiengänge sei auf 17 000 ausgeufert und damit unübersichtlich geworden, Bürokratie und Verwaltungsaufwand seien enorm gewachsen, weltweit anerkannte Studiengänge wie den des Diplomingenieurs seien abgeschafft worden.

Prof. Gunther Nickel, Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte, kritisierte, die von der OECD geforderte und von den Bologna-Reformern stillschweigend akzeptierte Steigerung der Akademisierungsquote gelinge nur durch fortwährende Senkung des Qualifikationsniveaus, was das Ziel der höheren Qualifizierung konterkariere. Die Ziele der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen zur Nivellierung der Studienabschlüsse, so Nickel, seien ebenfalls nicht erreicht worden. Die Hoffnung, achtzig Prozent der Studenten werde nach sechs Semestern mit dem Bachelorabschluss die Universitäten verlassen und der Wirtschaft mit ausreichender Qualifikation zur Verfügung stehen, habe sich nicht erfüllt. Die durchschnittliche Verweilzeit von Studenten bis zum Bachelorabschluss betrage nicht sechs sondern acht Semester – und nach dem Bachelorabschluss verließen nicht achtzig Prozent die Hochschule sondern schlössen einen Masterstudiengang an.

Prof. Zimmermann forderte, die Hochschulausbildung nicht auf niedrigem Niveau zu vereinheitlichen sondern den Wettbewerb der Universitäten zu fördern und den Hochschulen zu überlassen, auch die Diplomstudiengänge einzuführen. Prof. Nickel sprach sich generell für die Wiederherstellung der Hochschulautonomie in fachlicher und finanzieller Hinsicht aus. Er verlangte die Bereinigung des Fächerkanons um alle nichtwissenschaftlichen Disziplinen sowie die Formulierung und Durchsetzung von Mindeststandards für die Aufnahme und den Abschluss eines wissenschaftlichen Studiums.

Problematisch könnte es für die Qualität beruflicher Ausbildung in Deutschland werden, wenn die europäischen Harmonisierungsbestrebungen wie bisher verfolgt werden. So sei etwa das deutsche Duale Ausbildungssystem zwar weltweit anerkannt, sagte der Stellvertretende Bundesvorsitzende von ALFA, Bernd Kölmel, es gerate jedoch durch die angestrebte Freizügigkeit und die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen unter Druck. Die Öffnung geschützter Berufe für neue und ausländische Konkurrenz berge Probleme für das Duale Ausbildungssystem in Deutschland, den Meisterbrief – und damit für die Qualität der Ausbildung und der handwerklichen Arbeit. Kölmel forderte, den Meisterbrief als Voraussetzung für die Unternehmensgründung in Deutschland zu erhalten sowie die Erhaltung hoher Qualitätsstandards in der Berufsausbildung, um den Ruf des Handwerks zu bewahren.

Rita Petry, Leiterin des Geschäftsbereichs Berufsbildung bei der Handwerkskammer der Pfalz, sieht auf den deutschen Arbeitsmarkt einen großen Überhang an Akademikern bei einem gleichzeitigen Engpass an Facharbeitern mit abgeschlossener Berufsausbildung zukommen. Da im Jahr 2013 die Zahl der Studienanfänger erstmals die Zahl der Auszubildenden überstieg, bestehe nun die Gefahr, dass es bald zu viele Arbeitskräfte mit Studienabschlüssen gebe, die planen, entwerfen und Konzepte erstellen könnten – aber es zugleich zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte für operative Aufgaben gebe. Der derzeitige – politisch gewollte – Trend zur Höherqualifizierung wirke der klassischen Ausbildung entgegen, die an gesellschaftlicher Akzeptanz verliere. Der oft prognostizierte Fachkräftemangel sei ein hausgemachtes Problem, weil sich die Bildungspolitik von der Klage der OECD über zu geringe Akademikerquoten in Deutschland habe beeinflussen lassen, obgleich sich die hiesige Volkswirtschaft mit dem System der dualen Ausbildung und der Aufstiegsfortbildung im internationalen Vergleich als äußerst erfolgreich erwiesen habe.

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