Buchtipp: Lebensgeschichten – Einblicke in die schicksalhaften Höhen und Tiefen einer Nonne, eines Theaterintendanten und einer Frau aus einfachen Verhältnissen

Buchtipp: Lebensgeschichten – Einblicke in die schicksalhaften Höhen und Tiefen einer Nonne, eines Theaterintendanten und einer Frau aus einfachen Verhältnissen

Das Leben kann so hart, so reich, so überraschend sein: Drei ganz unterschiedliche Protagonisten  bekommen in den Büchern aus dem Verlag Kern eine Stimme:

Wie kann es geschehen, dass intelligente und einsichtsfähige Menschen ihre Autonomie, ihre Individualität und Würde freiwillig ablegen? Berndt Bleckmann hat sich auf die Spur einer Frau mit einem außergewöhnlichen Lebensweg begeben: Eine Nonne beginnt nach vielen Jahren in einem Benediktinerinnenkloster ein neues Leben in einem hinduistischen Ashram. In „Guru statt Jesus“ (ISBN 978-3-95716-321-9) analysiert Bleckmann die Autobiografie, der Frau, die sich nach ihrem Eintritt in die Sektenkolonie Radham Soami Satsang im indischen Beas (Punjab) Shraddha Liertz nennt. Er beleuchtet ihren Weg aus psychologischer Sicht und wirft viele Fragen auf.

Die Frau aus einer oberbayerischen Kleinstadt ist eine ernsthafte und emotionale Gottsucherin. Sie meditiert, erlebt mystische Ekstasen. In Indien begegnet sie Mutter Teresa, dient dem indischen Katholizismus und studiert brahmanische Lehren, bis sie in den Bannkreis eines Gurus gerät, den sie für Jesus hält.

Berndt Bleckmann versucht, die Höhen und Tiefen, die Euphorien und Depressionen, die sie in ihrer Autobiografie schildert, psychologisch-naturwissenschaftlich zu verstehen. Insbesondere beschäftigt ihn die Frage, was Menschen dazu bringt, ihren Glauben, ihre Moral und ihre Selbständigkeit so weit aufzugeben, dass sie lieber für ihren Guru sterben würden, als an seinen Worten zu zweifeln.

Um hinter das Geheimnis dieses Lebensweges zu kommen, geht der Autor einer Vielzahl von Fragen nach: Was trennt Christentum und Hinduismus? Was passiert neurophysiologisch bei Halluzinationen oder mystischen Ekstasen? Was geht bei den Massenzusammenkünften oder den Séancen einer Sekte vor sich? Ein Exkurs über Massenpsychologie rundet die Analyse ab.

Ob sich ein Lebenstraum erfüllt oder nicht, hängt nicht allein vom Charakter der Person ab. Wichtiger noch erscheinen die persönliche Freiheit und die gesellschaftlichen Zwänge, in die ein Leben eingefügt ist.  In diesem magischen Dreieck bewegt sich der Roman „Leben ohne Maske“ (ISBN 978-3-95716-328-8). Knut Wagner verarbeitet darin auf 640 Seiten sein eigenes Erleben in der DDR.

Sein Lebenstraum war die Bühne, das Theater. Ein Lehrerstudium hatte ihn auf Umwegen einst zu seinem Ziel, zur Erfüllung seines Lebenswunsches gebracht, zum Theater Meiningen, wo er in den zwei Jahren vor dem Mauerfall als Schauspielintendant wirkte. Jahre, in denen es bereits gärte, in denen gesellschaftliche Spannungen aufbrachen, ohne dass das Ende der Entwicklung vorauszuahnen war.

So fließen Wagner eigene Erinnerungen in seine Romanfigur Wolfgang Bruckner, den es nach dem Lehrerstudium in Jena und dem vergeblichen Versuch, am Theater zu landen, in die tiefste Provinz Thüringens verschlägt. Er kann sich nicht einleben, wo seine Frau zu Hause ist, und er bringt kein Verständnis für die Ansichten seines Schwiegervaters auf, der in den dörflichen Traditionen und Gepflogenheiten fest verwurzelt ist. Dennoch geschieht Unerwartetes: Obwohl Wolfgang seinem Lehrersein nur widerwillig nachgeht, macht er beruflich Karriere. Obwohl er große Angst vor Hunden hat, richtet er Doggen ab. Und August Stillmark, der Werkzeugmacher und Kirmestrompeter, wird mit 56 Jahren Trompetenlehrer an der Musikschule.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters entscheidet sich Wolfgang, seiner Berufung zu folgen: Ihm gelingt sogar der Sprung ans Theater, an das renommierte Haus in Meiningen. Aber seine Revue bleibt unaufgeführt. Statt Revue Revolution: In die Herbstereignisse 1989 hineingezogen, kämpft Wolfgang Bruckner für Presse- und Meinungsfreiheit.

Im Leben einfacher Leute findet sich so viel Reichtum an Erfahrung. Auch wenn diese Erfahrungen hart sind – es lohnt sich, sie zu kennen. Mit „Mara“ (ISBN: 978-3-95716-318-9) hat Patricia Hemberger eine bewegende Frauen-Biografie verfasst. „Mara“ erzählt von einem harten Leben, reich an Schicksalsschlägen, Zurückweisung und der weit verbreiteten Diskriminierung von Frauen. Dennoch blitzen immer wieder die Hoffnungsmomente und Glückssträhnen auf. In der Erzählung hat Patricia Hemberger „Mara“ ein kleines Denkmal gesetzt, einer einfachen Frau, in deren Leben sich viele andere Frauen wiedererkennen können.

Mara ist eine rüstige Rentnerin, zupackend und humorvoll. Doch wenn sie aus ihrem Leben erzählt, reiht sich ein Schicksalsschlag an den anderen. Sie wächst in einfachen Verhältnissen auf und heiratet schon sehr jung. Doch ein ruhiges Familienleben ist ihr nicht vergönnt. Mit Kampfgeist und Überlebenswillen flieht sie vor der lieblosen Behandlung ihrer Mutter und der Brutalität ihres ersten Ehemannes. Sie baut sich in zweiter Ehe eine Existenz auf und verliert alles, kämpft  jahrelang mit unerträglichen Konflikten. Immer wieder beginnt sie neu, hofft auf Glück und Ruhe und steckt doch immer neue Niederlagen ein. Wo kann sie bleiben und inneren Frieden finden? Wie Mara ihr Leben trotz aller Widrigkeiten meisterte, hat sie der Autorin anvertraut.

Alle Titel sind auch als E-Book erhältlich. Alle Print-Ausgaben können im Online-Shop verlag-kern.de/ schnell, bequem und portofrei (innerhalb Deutschland) direkt ab Verlag bestellt werden.  Natürlich kann man die Titel auch im Buchhandel vor Ort erwerben und überall, wo es E-Books gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden