Brandenburgs Jäger fordern stärkere Bejagung des Waschbären

bmt kritisiert das Ignorieren wildbiologischer Fakten

BildSie fordern massiven Falleneinsatz, Jagdprämien und politische Unterstützung – Brandenburgs Jäger haben dem Waschbären den Kampf angesagt, wie mehrere Zeitungen in den vergangenen Tagen berichteten.

Anhand der Streckenzahlen wollen die Jäger einen rasanten Anstieg der Population in Brandenburg festmachen. Die Streckenzahlen erfassen die Tiere, die in einer Jagdsaison durch Bejagung oder im Verkehr starben. 2012/2013 waren das 20.300 Waschbären, über 40% mehr als in der Jagdsaison 2011/2012.

Die Jagdausübungsberechtigten und mit ihnen das Agrarministerium des östlichen Bundeslandes sieht die Verbreitung des ursprünglich aus Nordamerika stammenden Waschbären mit Sorge. Er sei eine große Gefahr für heimische Tierarten und bedrohe besonders geschützte und stark gefährdete Arten in ihrem Bestand.

“In Brandenburg wäre es angesichts der deutlichen Zunahme des Waschbärenbestandes hilfreich, sich mehr auf wildbiologische Fakten zu stützen, als fast schon panisch eine ökologische Katastrophe herbeizureden”, kritisiert Torsten Schmidt vom Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. (bmt). “Tierbestände nehmen nicht unbegrenzt zu, sondern pendeln sich bei der so genannten Lebensraumkapazität ein. Auch wenn es paradox klingt: die intensive Jagd auf Waschbären ist eher kontraproduktiv und trägt im Gegenteil zu ihrer Vermehrung bei.” Denn jagdliche Eingriffe, so Torsten Schmidt, schwächen die biologischen Selbstregulierungsmechanismen, während Flexibilität, Mobilität und Scheu der Tiere gleichzeitig erhöht werden.

Auch an der angeblichen ökologischen Bedrohung mahnt Schmidt zur Besonnenheit. “Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Waschbären den Bestand heimischer Arten gefährden”. Die Tiere sind Allesfresser, deren Speiseplan sich ungefähr zu 70% aus Wirbellosen und pflanzlicher Nahrung zusammensetzt. Die Jagd auf Vögel und Kleinsäuger kostet sie hingegen viel Energie, so dass sich das Nachstellen dieser Tiere für sie kaum lohnt.

“Richtig ist, dass Waschbären im urbanen Bereich durchaus lästig werden können, wenn sie Mülleimer durchwühlen. Hier gibt es aber probate Mittel sich davor zu schützen, ohne diese Tiere töten zu müssen. Die Gesellschaft wird akzeptieren müssen, dass Waschbären inzwischen zu unserer heimischen Tierwelt gehören, auch wenn sie ursprünglich nicht heimisch sind. Wir können schlicht das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen”, so Torsten Schmidt abschließend.

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Der Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. (bmt) gehört zu den ältesten und größten Tierschutzorganisationen in Deutschland. Mit seinen 11 Geschäftsstellen, 8 Tierheimen und einem Tierschutzzentrum ist der bmt im gesamten Bundesgebiet vertreten. Zusätzlich betreut der Verein rund 200 Gnadenbrottiere in ausgewählten Pflegestellen und auf Gnadenbrothöfen.

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