Angst vor Lebensmitteln aus Japan?

Berlin/Bonn, 14. April 2011 – Zahlreiche Lebensmittelskandale, etwa Dioxin-Funde in Lebensmitteln und nun auch das Thema Japan, formen einen neuen Verbrauchertypus, der zunehmend detailliertere Informationen über Herkunft und Verarbeitung seiner Lebensmittel fordert. Händler geraten vor diesem Hintergrund zunehmend unter Druck und fragen sich, wie sich diese Katastrophen auf das Einkaufsverhalten der Deutschen auswirken werden. POS-Experte Christoph Soika rät daher Händlern in einem Gespräch mit der Lebensmittelzeitung Direkt, überlegt zu reagieren. „Die Kunden rufen schon jetzt zahlreich bei den Hotlines der Hersteller an. Deshalb liegt es nahe, sich als Händler auch selbst erst einmal zu informieren, also die Lieferanten zu fragen, wie sie die Sicherheit gewährleisten“. Auch Hans-Theo Henne, Frische-Category-Manager bei Kaiser´s Tengelman und Birkenhof-Geschäftsführer, rät in einem in einem Bericht der Lebensmittelpraxis zu überlegtem und nachhaltigem Handeln: „Jeder Aktionismus wäre fehl am Platz“.

Trends aus dem Bereich des Mobile Marketing können Verbrauchern und Händlern bei Orientierung und Kommunikation helfen, wie Tudor Andronic, Director Global Retail Solutions beim baden-württembergischen Lösungsanbieter Bizerba bestätigt: „Die Technik ist mittlerweile soweit, dass der Kunde an der Theke mit der Kamera seines Smartphones einen Code vom Display der Waage scannt. Er wird direkt auf eine Internetplattform weitergeleitet, auf der er weitere Hintergrundinformationen zu den Produkten, u.a. auch deren genaue Herkunft, einsehen kann“. Er kann dann beruhigt aufatmen, wenn er auf seinem Handy-Display liest, dass der Fisch in seinem Sushi aus Norwegen und nicht aus Japan stammt. Diese Technik sei, so Andronic, ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr Produkttransparenz.

Grund zur Sorge besteht aber auch bei Lebensmitteln aus Japan nicht. Die EU hat für die Einfuhr von Nahrungsmitteln aus Japan maximal zulässige Grenzwerte verabschiedet. Die bisher gültigen werden nach der Tschernobyl-Katastrophe eingeführt und galten lediglich für Cäsium. Die neue Regelung hingegen gilt auch für Jod-131. Mit den jetzt festgelegten Werten werden die Menschen in Deutschland und Europa vor gesundheitlichen Risiken geschützt. Zudem seien die deutschen Behörden sehr wachsam, versichert Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner der SUPERillu. „Die wenigen Waren, die unser Land erreichen, werden zusätzlich von deutschen Behörden kontrolliert“, so Aigner.

Japan ist zudem ein Importland, das nur sehr wenig Nahrungsmittel nach Deutschland liefert. Von allen Lebensmitteln, die Deutschland aus dem Ausland importiert, kommen laut Angaben der Bundesregierung nur 0,1 Prozent aus Japan. Es handelt sich dabei vorwiegend um Spezialitäten, die den Weg von rund 9000 Kilometern per Schiff oder Flugzeug zurücklegen. Durch das schwere Erdbeben, den Tsunami und die Reaktorkatastrophe sei der Handel mit Japan aber quasi zum Erliegen gekommen. In einer Erklärung von Foodwatch forderte die Verbraucherschutzorganisation dennoch einen Importstopp, wie ihn auch Länder wie Südkorea und China kürzlich wegen des Dioxin-Skandals für Schweinefleisch aus Deutschland ausgesprochen hatten. Das wäre, so Foodwatch, die sicherste und einfachste Lösung.

Bei den Kontrollen der verbliebenen Importe durch die Länderbehörden sei bislang kein Fall erhöhter Strahlenbelastung festgestellt worden. Das teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit (BVL), das die Untersuchungsergebnisse der Bundesländer regelmäßig an die Europäische Kommission meldet. Für Fragen des Strahlenschutzes und der Strahlenschutzvorsorge ist innerhalb der Bundesregierung das Bundesumweltministeriums (BMU) zuständig. Dieses empfiehlt vorsorglich Strahlenschutzwerte für Schiffe und Waren aus Japan. Der Vollzug liegt dann in Händen der Länder und verschiedener Bundesbehörden.

Nach übereinstimmender Ansicht des BMU und der Strahlenschutzkommission (SSK) soll der Höchstwert für Schiffe und Waren bei 4 Becquerel pro Quadratzentimeter liegen, einer Kontamination, die zu einer Strahlendosis von unter einem Millisievert pro Jahr führt. Im Vergleich dazu beträgt die jährliche effektive Dosis der natürlichen Strahlenexposition bei durchschnittlichen Bedingungen in Deutschland schon 2,1 Millisievert. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) überwacht zudem die Radioaktivität in Deutschland flächendeckend mit hochsensiblen Geräten. Doch selbst wenn sich die Lage in Japan verschlimmert, gelangt keine gesundheitsgefährdende Menge an Strahlung zu uns, da der Verdünnungseffekt zu groß ist.

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