optimale Intensivmedizin: Mitmenschlichkeit und Zuwendung

Hauptstadtkongress der DGAI vom 21.-23.09.2017

optimale Intensivmedizin: Mitmenschlichkeit und Zuwendung

Eine moderne und menschliche Intensivmedizin (Bildquelle: istock)

Nürnberg, 20.09.2017 – Wo findet eine hochschwangere junge Frau Hilfe, wenn sie unter Krämpfen zusammenbricht und ein Organ nach dem anderen versagt? Wer gibt einem herzkranken Familienvater eine Chance, bei dessen Bypass-Operation es zu zahlreichen Komplikationen kommt? Es ist die moderne, menschliche Intensivmedizin, wie die Kampagne „Zurück ins Leben“ des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) verdeutlicht. Die Kampagne macht über ihre Homepage www.zurueck-ins-leben.de über zahlreiche Aktivitäten auf die unterschiedlichsten Aspekte der Intensivmedizin aufmerksam. Aktuell steht auf dem DGAI-Hauptstadtkongress das Thema Intensivmedizin im Fokus mehrerer Sitzungen.

„Wir möchten Angehörigen und Patienten zeigen, dass erstens auch in der hochtechnisierten Intensivmedizin der Mensch im Mittelpunkt steht und zweitens nicht zuletzt dank der Intensivmedizin eine Chance auf Genesung besteht“, betont DGAI-Generalsekretär Prof. Dr. Dr. Hugo Van Aken aus Münster. Intensivmedizin benötigen 2 Millionen Menschen und deren Familien in Deutschland pro Jahr, verdeutlicht Van Aken, und manchmal sogar junge, augenscheinlich gesunde Personen wie beispielsweise eine 38-jährige hochschwangere Frau, die unter Krämpfen und mit fortschreitendem Multiorganversagen in die Notaufnahme kam. Die Reanimation gelang, die werdende Mutter bekam die Diagnose akutes Atemnotsyndrom, wurde per Notkaiserschnitt entbunden und erholte sich komplett. Häufiger sind es ältere Patienten mit Vorerkrankungen, die Intensivmedizin benötigen. Dem herzkranken Familienvater, dessen Bypass-Operation mit zahlreichen Komplikationen verbunden war, und seiner Frau konnten Ärzte- und Pflegeteams mit ihrer Expertise und Zuwendung neuen Lebensmut schenken.

Tatsächlich sprechen immer mehr Studien dafür, dass menschliche Zuwendung und liebevolle Begleitung auf Intensivstationen die medizinischen Therapien optimal ergänzen. Die neuesten Publikationen zum Thema stammen aus den USA und Schweden. Das Kernergebnis der amerikanischen Meta-Analyse aus 46 Studien lautet: Mit patienten- und familienzentrierter Begleitung auf Intensivstationen stabilisieren sich Patienten schneller, sodass sie auf andere Stationen der Kliniken wechseln können. In Schweden zeigte sich, dass sich unter aufmerksamer Begleitung das Wohlbefinden der Patienten und ihrer Familien deutlich besserte.

Auch in Deutschland machen wir die Erfahrung, dass eine patienten- und familienzentrierte Begleitung in der Intensivmedizin von großer Bedeutung für die Genesung des Patienten ist, betont Professorin Dr. Thea Koch aus Dresden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Angehörigen die Möglichkeit haben, den Patienten jederzeit besuchen zu können, sofern dies aus medizinischer Sicht zu verantworten ist. Zudem weist Koch darauf hin, dass ein fester Ansprechpartner auf der Station besonders wichtig für das Verständnis und die Verarbeitung der schwierigen Situation ist. Die Vizepräsidentin der DGAI und Mitinitiatorin der Kampagne „Zurück ins Leben“ stellt jedoch fest: „Viele denken noch immer beim Wort Intensivstation zuerst an Tod, Technik und Killerkeime. Dabei sieht die Realität ganz anders aus. Gerade auf der Intensivstation steht der Mensch durch die besonders intensive Betreuung im Mittelpunkt. So ist der Personalschlüssel auf einer Intensivstation bedeutend höher als auf Normalstation, da hier eine Pflegekraft nur zwei Patienten betreut. Wenn eine ECMO (Herz-Lungen-Maschine) zum Einsatz kommt, ist die Betreuung sogar eins zu eins. Zudem ist vielen nicht bewusst, dass wir durch die intensivmedizinische Behandlung heutzutage auch den Patienten helfen können, die früher keine Überlebenschance gehabt hätten.“

Weitere Informationen im Internet:
Hauptstadtkongress für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI) 2017, Berlin
www.hai2017.de

Über die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI):
Die im April 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e. V. (DGAI) vereinigt über 14.912 Mitglieder und ist damit die drittgrößte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft Deutschlands. Nach ihrer Satzung hat sie die Aufgabe, „Ärzte zur gemeinsamen Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie, lntensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie zu vereinen und auf diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen“. Gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) trägt die DGAI die Deutsche Akademie für Anästhesiologische Fortbildung e. V. (DAAF), die regelmäßig Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen für Anästhesisten durchführt. Die DGAI veranstaltet jährlich den Deutschen Anästhesiecongress (DAC), den Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (HAI) und richtet darüber hinaus internationale Anästhesiekongresse aus. Präsident der DGAI ist Prof. Dr. med. Bernhard Zwißler, München.

Kontakt
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
Anka Feyh-Oeder
Roritzerstr. 27
90419 Nürnberg
0911 93378-28
0911 39 38 195
afeyh-oeder@dgai-ev.de
http://www.dgai.de

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