Warum werden gute Ideen junger Beschäftigter unterschätzt? Managementberater Ralf Overbeck erklärt, weshalb das eine Führungsfrage ist und wie Unternehmen die Zusammenarbeit der Generationen stärken.
Managementberater Ralf Overbeck: Wer Beiträge nach Alter statt nach Qualität bewertet, schwächt die Zusammenarbeit und verschenkt Potenziale
Sie sind jung, engagiert und voller Ideen, aber im Team hört kaum jemand richtig zu. Gerade jüngere Beschäftigte erleben immer wieder, dass ihre Vorschläge mit dem Argument der fehlenden Erfahrung abgetan werden. Was zunächst wie ein Generationenkonflikt aussieht, ist laut Managementberater Ralf Overbeck häufig ein Führungsproblem. Denn gute Führung sorgt dafür, dass Erfahrung ebenso zählt wie neue Perspektiven. Nicht das Geburtsjahr sollte darüber entscheiden, ob eine Idee Gehör findet, sondern ihre Qualität und ihr Nutzen für das Unternehmen.
Ein junger Mitarbeiter macht in einer Teambesprechung einen Verbesserungsvorschlag. Ein erfahrener Kollege reagiert mit dem Hinweis, dass man etwas Ähnliches bereits vor Jahren versucht habe. Ein anderer empfiehlt, zunächst mehr Berufserfahrung zu sammeln. Die Führungskraft lässt die Bemerkungen stehen und wechselt zum nächsten Tagesordnungspunkt. Der Vorschlag ist damit erledigt, ohne wirklich diskutiert worden zu sein.
Solche Situationen wirken unspektakulär. Für Ralf Overbeck können sie jedoch viel darüber aussagen, wie Führung und Zusammenarbeit in einem Unternehmen tatsächlich funktionieren.
Wenn Erfahrung zur Eintrittskarte für Gehör wird
Langjährige Beschäftigte verfügen über etwas, das für Unternehmen äußerst wertvoll ist: Erfahrung. Sie kennen die Kunden, die Prozesse, die internen Zusammenhänge und häufig auch die Hintergründe von Entscheidungen. Sie wissen, welche Lösungen bereits ausprobiert wurden und wo Risiken liegen, die für Außenstehende nicht sofort erkennbar sind. Dieses Wissen darf nicht unterschätzt werden. Problematisch wird es jedoch, wenn aus Erfahrung automatisch Deutungshoheit entsteht.
„Wer einen Vorschlag allein mit dem Hinweis auf fehlende Berufsjahre abwertet, verwechselt Erfahrung mit Überlegenheit. Erfahrung ist wertvoll. Aber sie macht nicht automatisch jede Einschätzung richtig“, sagt Managementberater Ralf Overbeck.
Gerade neue und jüngere Beschäftigte können Zusammenhänge anders wahrnehmen. Sie kennen bestimmte Routinen noch nicht, fragen deshalb häufiger nach dem Sinn von Dingen und bringen Erfahrungen aus Ausbildung, Studium oder anderen Unternehmen mit. Auch ihr Umgang mit Technologien, Kommunikation oder Zusammenarbeit kann neue Impulse auslösen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass junge Menschen grundsätzlich innovativer sind oder ältere Beschäftigte weniger veränderungsbereit. Solche Generationenschubladen führen nach Overbecks Auffassung in die falsche Richtung.
Die entscheidende Frage lautet: Schafft das Unternehmen Bedingungen, unter denen unterschiedliche Erfahrungen tatsächlich genutzt werden können?
Genau das gehört für Overbeck zu einer generationengerechten Unternehmensführung. Es geht nicht darum, den verschiedenen Generationen – den Babyboomern, der Generation X, Y oder Z – vermeintlich typische Eigenschaften zuzuweisen. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Kompetenzen so zusammenzuführen, dass sie dem gemeinsamen Ergebnis dienen.
Ein Unternehmen, in dem neue Mitarbeitende zunächst jahrelang „dazugehören“ müssen, bevor ihre Vorschläge Gewicht bekommen, verliert möglicherweise genau die Perspektiven, wegen derer diese Menschen eingestellt wurden.
Wer ernst genommen werden will, muss andere ernst nehmen
Die Verantwortung liegt allerdings nicht allein bei den erfahrenen Kollegen oder der Führungskraft. Auch jüngere Beschäftigte müssen ihren Beitrag leisten. Wer neu in ein Unternehmen kommt, kennt nicht automatisch alle Kundenanforderungen, Entscheidungswege, Abhängigkeiten und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Manche Idee, die auf den ersten Blick überzeugend erscheint, wurde möglicherweise bereits erprobt oder scheitert an Rahmenbedingungen, die der neue Mitarbeiter noch nicht kennt. Deshalb gehört für Overbeck zur generationenübergreifenden Zusammenarbeit immer auch die Bereitschaft zuzuhören.
„Junge Beschäftigte sollten nicht erwarten, dass jede neue Idee sofort begeistert aufgenommen wird. Wer ernst genommen werden möchte, muss selbst bereit sein, Fragen zu stellen, zuzuhören und die Erfahrung anderer einzubeziehen“, betont er.
Ernst genommen zu werden, ist somit keine Frage des Alters und auch kein Anspruch, der automatisch mit einer neuen Stelle einhergeht. Anerkennung entwickelt sich durch Kompetenz, Verlässlichkeit, Verantwortungsbereitschaft und den konstruktiven Umgang mit anderen Sichtweisen. Umgekehrt dürfen Berufsjahre kein Totschlagargument sein. Ein Satz wie „Dafür bist du noch zu jung“ beendet keine fachliche Diskussion, sondern verhindert sie.
Ebenso wenig hilfreich ist die entgegengesetzte Haltung: „Die Älteren verstehen das sowieso nicht.“ Beide Aussagen machen aus unterschiedlichen Erfahrungen einen Generationenkonflikt, obwohl möglicherweise lediglich unterschiedliche Bewertungen einer konkreten Situation vorliegen.
Overbecks Leitgedanke „Alt + Jung = Erfolg!“ setzt deshalb bewusst auf Verbindung. Jüngere Beschäftigte können vom Erfahrungswissen profitieren. Erfahrene Mitarbeiter wiederum können durch neue Perspektiven, Kompetenzen und Fragen zusätzliche Impulse erhalten.
Entscheidend ist nicht, welche Generation sich durchsetzt, sondern ob dadurch bessere Entscheidungen entstehen.
Gute Führung verhindert eine Altersrangordnung
An diesem Punkt wird aus dem vermeintlichen Generationenthema endgültig eine Führungsfrage. Denn Führungskräfte entscheiden im Arbeitsalltag mit darüber, wessen Stimme Gewicht bekommt. Sie bestimmen, ob abwertende Bemerkungen stehen bleiben, ob unterschiedliche Auffassungen sachlich diskutiert werden und ob Menschen unabhängig von Alter und Betriebszugehörigkeit Verantwortung übernehmen können.
„Wenn junge Beschäftigte ständig beweisen müssen, dass sie trotz ihres Alters etwas beitragen können, läuft in der Führung etwas falsch. Gute Führung schafft keine Altersprivilegien. Sie schafft faire Bedingungen für Leistung, Verantwortung und Zusammenarbeit“, stellt Overbeck klar.
Wirksame Führung in Unternehmen zeigt sich deshalb nicht primär in Leitbildern oder Führungsmodellen. Sie zeigt sich in konkreten Situationen. Wird nachgefragt, bevor eine Idee verworfen wird? Werden Gegenargumente begründet? Dürfen auch neue Beschäftigte Verantwortung übernehmen? Können erfahrene Mitarbeiter widersprechen, ohne als veränderungsunwillig abgestempelt zu werden?
Führungskräfte sollten junge Beschäftigte beteiligen, ohne sie künstlich aufzuwerten. Gleichzeitig sollten sie erfahrene Mitarbeiter wertschätzen, ohne ihnen automatisch das letzte Wort einzuräumen. Das verlangt Führungskompetenz. Gerade in altersgemischten Teams müssen sie unterschiedliche Erwartungen, Persönlichkeiten, Erfahrungen und Interessen zusammenbringen. Nicht jede Situation lässt sich mit einer Standardmethode lösen. In anspruchsvollen Fällen kann ein unabhängiges Sparring helfen, die eigene Rolle und das eigene Verhalten zu reflektieren.
Für Unternehmen wird diese Fähigkeit zunehmend wichtiger. Wenn langjährige Wissensträger mit Berufseinsteigern, jungen Fachkräften und neuen Führungskräften zusammenarbeiten, treffen nicht nur unterschiedliche Altersgruppen aufeinander. Es treffen auch Erfahrungswissen, neues Fachwissen, verschiedene Arbeitsbiografien sowie möglicherweise unterschiedliche Vorstellungen von Kommunikation, Verantwortung und Veränderung aufeinander. Diese Unterschiede sind für Overbeck zunächst weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, was Führung daraus macht.
Der Managementberater beschäftigt sich seit 1983 mit Generationenmanagement im Kontext moderner Unternehmensführung. 1989 entwickelte er seine bis heute verwendete Leitformel „Alt + Jung = Erfolg!“.
„Unternehmen brauchen die Erfahrung der Älteren und die Perspektiven der Jüngeren. Wer eine Seite bevorzugt oder abwertet, schwächt beide. Führung bedeutet, diese unterschiedlichen Stärken so zusammenzubringen, dass daraus gemeinsamer Erfolg entsteht“, sagt Overbeck.
Deshalb lautet sein Fazit nicht, dass junge Beschäftigte häufiger recht bekommen müssten. Vielmehr sollten ihre Ideen genauso ernsthaft geprüft werden wie die Ideen erfahrener Kollegen. Denn gute Unternehmen erkennt man nicht daran, welche Generation sich durchsetzt. Man erkennt sie daran, ob Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen gemeinsam zu besseren Ergebnissen kommen.
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Ralf Overbeck Consulting
Herr Ralf Overbeck
Brachter Straße 99
40882 Ratingen
Deutschland
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email : info@overbeck-consulting.de
Ralf Overbeck Consulting – Führung stärken. Generationen verbinden. Veränderung wirksam gestalten.
Die Ralf Overbeck Consulting mit Sitz in Ratingen bei Düsseldorf begleitet seit 2000 Unternehmensleitungen, Führungskräfte und Organisationen bei Fragen zu Führung, Generationenmanagement und Veränderung. Im Mittelpunkt steht die praktische Umsetzung: Führung klären, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen stärken und Veränderungen wirksam im Unternehmensalltag verankern.
Gründer und Inhaber Ralf Overbeck ist Sparringspartner für Unternehmensleitungen und Führungskräfte. Er verbindet eigene Führungserfahrung und betriebswirtschaftliches Denken mit mehr als 25 Jahren Praxis in Beratung und Veränderungsbegleitung. Bereits 1983 entwickelte er seinen Ansatz des Generationenmanagements im Kontext moderner Unternehmensführung. 1989 formulierte er daraus die Leitformel „Alt + Jung = Erfolg!“.
Die Beratung verbindet die Themen Führung, Generationenmanagement und Veränderung mit aktuellen unternehmerischen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, Fachkräftemangel und sich verändernden Arbeitswelten. Der Ansatz ist praxisnah, individuell und umsetzungsorientiert – von der Klärung der Ausgangssituation über die Entwicklung passender Lösungen bis zur Umsetzung im Führungs- und Arbeitsalltag.
Als inhabergeführte Unternehmensberatung steht die Ralf Overbeck Consulting für persönliche Begleitung und einen festen Ansprechpartner während der gesamten Zusammenarbeit. Ralf Overbeck begleitet Unternehmen und Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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