Josef Köppl, Founder & Chief Marketing Officer von swipecor, über zwölf Monate Entwicklung, swAIper, die vielleicht härteste Phase des Projekts – und warum Deutschland, Österreich und die Schweiz erst der Anfang sind.
Redaktion: Herr Köppl, zwölf Monate bauen, entwickeln, diskutieren, testen – und jetzt soll plötzlich der Markt loslaufen. Wie fühlt sich das an?
Josef Köppl: Ehrlich? Ein bisschen wie nach zwölf Monaten Motorenbau endlich den Schlüssel umzudrehen. Wir haben unglaublich viel diskutiert, verworfen, neu gebaut, getestet und wieder verändert. Irgendwann kannst du aber nicht mehr im Maschinenraum stehen und jede Schraube polieren. Irgendwann musst du raus. Und genau an diesem Punkt sind wir jetzt. swipecor ist da. Jetzt müssen die Menschen verstehen, was wir gebaut haben.
Redaktion: Und was habt ihr gebaut? Noch ein Business-Netzwerk?
Josef Köppl: Wenn es nur ein weiteres Netzwerk geworden wäre, hätten wir uns die letzten zwölf Monate sparen können. Wir wollen weg von diesem alten Prinzip: Profil erstellen, Kontakte sammeln, Nachrichten schreiben und hoffen, dass irgendwann zufällig Geschäft entsteht. swipecor dreht das um. Ein Unternehmen baut seinen Space auf. Es zeigt dem System, wer es ist, was es anbietet, welche Kompetenzen es hat und wonach es sucht. Und dann kommt unser KI-Businessagent swAIper ins Spiel. Er soll Zusammenhänge erkennen. Nicht: „Hier sind 3.000 Menschen, die du kennen könntest.“ Sondern: „Hier könnte gerade eine echte geschäftliche Chance für dich entstehen.“ Das ist für mich der entscheidende Unterschied.
Redaktion: Ihr sprecht deshalb auch nicht mehr nur von Networking.
Josef Köppl: Genau. Wir wollen ein Business Operating System schaffen. Spaces für Unternehmen. Stages für Sichtbarkeit und Präsentation. Malls für Branchen und Themenwelten. swipeTop als Arbeitsoberfläche. Und mittendrin swAIper, der die einzelnen Informationen intelligent miteinander verbinden soll. Unser Ziel ist nicht, dass ein Unternehmer morgens eine Stunde länger auf einer weiteren Plattform verbringt. Im Gegenteil. Das System soll arbeiten, damit der Unternehmer mehr Zeit fürs Geschäft hat.
Redaktion: Jetzt sind Sie Chief Marketing Officer. Was ist nach der technischen Entwicklung Ihre Aufgabe?
Josef Köppl: Jetzt beginnt wahrscheinlich eine der härtesten Aufgaben überhaupt. Technologie kannst du programmieren. Einen Markt nicht. Wir müssen aus einem Produkt eine Bewegung machen. Menschen müssen innerhalb weniger Sekunden verstehen, warum swipecor für sie relevant sein könnte. Und deshalb wird unser Marketing nicht sagen: „Schaut her, wir haben eine tolle App.“ Das interessiert am Ende keinen Unternehmer. Unsere Kommunikation muss sagen: Was bringt dir das Ding? Findest du dadurch einen neuen Kunden? Entdeckst du einen Markt, den du vorher nicht gesehen hast? Entsteht aus einem Match ein Gespräch? Wird aus dem Gespräch ein Angebot? Und wird daraus irgendwann Umsatz? Daran wird sich swipecor messen lassen müssen.
Redaktion: Wo beginnt diese Marketingoffensive?
Josef Köppl: Jetzt zunächst sehr konzentriert in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier wollen wir Unternehmen, Unternehmer, Mittelständler, Start-ups, Dienstleister und Selbstständige ins System bekommen. Sie können ihren Space aufbauen, das System kennenlernen, swipecor weiterempfehlen und swipecoins sammeln. Und wir werden gleichzeitig sehr genau beobachten: Was funktioniert? Was verstehen die Menschen sofort? Wo müssen wir erklären? Wo müssen wir technisch nachschärfen? Das ist kein gemütlicher Soft Launch. Das ist die Phase, in der wir lernen müssen, wie schnell aus Technologie tatsächliche Nutzung wird.
Redaktion: Und dann kommt der 1. Oktober?
Josef Köppl: Dann wollen wir den nächsten Gang einlegen. Ab 1. Oktober geht der Rollout europaweit weiter. Und dann muss Marketing skalieren. Andere Länder. Andere Sprachen. Andere Branchen. Andere Mentalitäten. Aber überall dieselbe wirtschaftliche Kernfrage: Wie finde ich schneller die richtigen Menschen und Unternehmen für mein Geschäft? Wenn swAIper diese Frage immer besser beantworten kann, haben wir etwas gebaut, das weit über klassisches Networking hinausgeht.
Redaktion: Das klingt nach einem ziemlich großen Anspruch.
Josef Köppl: Ist es auch. Aber für einen kleinen Anspruch brauchst du keine zwölf Monate deines Lebens. Wir haben swipecor nicht gebaut, um eine nette zusätzliche App auf einem Smartphone zu sein. Wir wollen verändern, wie Unternehmen Geschäftsmöglichkeiten entdecken. Das ist eine andere Größenordnung. Und natürlich werden wir Fehler machen. Natürlich werden Dinge angepasst werden müssen. Natürlich wird nicht vom ersten Tag an alles perfekt sein. Aber irgendwann muss man aufhören, Innovation in PowerPoint zu erklären. Man muss sie auf die Straße bringen. Und genau das machen wir jetzt.
Redaktion: Was bedeutet das für Ihr Marketing konkret?
Josef Köppl: Sichtbarkeit. Geschwindigkeit. Erklären. Aktivieren. Wir müssen swipecor dahin bringen, wo Unternehmer sind. Digital. Social Media. Video. Events. Unternehmen. Multiplikatoren. Partner. Communities. Aber wir wollen nicht einfach Reichweite kaufen und uns anschließend gegenseitig zu Millionen Impressions gratulieren. Mich interessiert eine andere Zahl: Wie viel Geschäft entsteht? Wenn wir 100.000 Menschen erreichen und nichts passiert, war das Marketing laut – aber nicht gut. Wenn wir Unternehmer zusammenbringen, daraus Gespräche entstehen und daraus Aufträge werden, dann beginnt unser Modell zu funktionieren.
Redaktion: Was wäre Ihr Wunsch für die kommenden Monate?
Josef Köppl: Dass irgendwann ein Unternehmer zu uns sagt: „Ich habe morgens swipecor geöffnet. swAIper hat mir ein Unternehmen vorgeschlagen. Wir haben gesprochen. Und daraus ist ein Auftrag entstanden.“ Dann brauchen wir keine 40-seitige Präsentation mehr, um zu erklären, was swipecor macht. Dann versteht es jeder.
Redaktion: Letzte Frage. Zwölf Monate in einem Satz?
Josef Köppl: Zwölf Monate haben wir mit Ideengeber und Founder Bernhard Schindler gebaut, gestritten, getestet und wahrscheinlich öfter „Das müssen wir nochmal ändern“ gehört, als uns lieb war. Aber es war eine geile Phase mit über 8.000 Stunden Entwicklung und einem 200 köpfigen Team um meinen Co-Founder Dr. Alexander Chalupka und intive Manager Matthias Brunner, die den Auftrag hatten und haben App und swipeTop zu bauen. Jetzt kommt der schönere Teil: Jetzt darf der Markt antworten.
Und ab 1. Oktober wollen wir diese Antwort nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz hören. Sondern in Europa.
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