Diesel steigt von 1,71 auf 1,81 Euro – und Deutschland steht Schlange. Warum wir für 10 Euro Zeit verbrennen und bei Geldanlage wegsehen.
Vor ein paar Wochen dachte ich wirklich, jetzt passiert etwas.
Vielleicht, dachte ich, nimmt der Deutsche endlich das Heft in die Hand. Die Zahl der Aktionäre ist auf einem Höchststand, überall liest man von ETFs, Sparplänen und „finanzieller Bildung“. Ich hatte kurz diese Illusion: Wir haben verstanden, dass man Geld nicht einfach liegen lässt – und dass man Panik besser nicht zum Anlageberater macht.
Und dann kam heute Morgen.
Ein Blick in die Zeitung: militärische Eskalation im Iran, der Spritpreis „explodiert“.
Ein Blick auf die Straße: lange Schlangen an der Tankstelle.
Da steht er wieder, der deutsche Klassiker: Stoßstange an Stoßstange, jeder will „noch schnell“ vollmachen – weil es heute angeblich günstiger ist als morgen. Diesel am 01.02.: 1,71 Euro. Heute: 1,81 Euro. Das sind 10 Cent pro Liter.
Wer 100 Liter tankt, vermeidet damit im besten Fall 10 Euro Mehrkosten. Zehn Euro – dafür verbringen Menschen 20, 30 oder 40 Minuten in der Schlange. Dazu kommen Umwege zur „billigsten Tankstelle“, hektisches Vergleichen in Apps und dieses eigenartige Gefühl, man würde gerade in einer historischen Ausnahmesituation heldenhaft Vorsorge betreiben.
Dabei ist es eher das Gegenteil: ein kollektiver Reflex, der in der Masse nicht einmal funktioniert. Denn wenn alle gleichzeitig „noch schnell“ günstiger tanken wollen, entsteht genau das, was wir sehen: Stau. Wartezeit. Stress. Und am Ende eine Ersparnis, die nicht selten kleiner ist als das, was man für einen Kaffee, ein Brötchen und einen schlechten Schokoriegel an derselben Tankstelle liegen lässt.
Und jetzt kommt der Teil, der mir die Illusion endgültig nimmt:
Im gleichen Zeitraum hat ein Produkt, das den Ölpreis abbildet – der WisdomTree WTI Crude Oil ISIN GB00B15KXV33 – rund 15 Prozent zugelegt. Reines Gedankenspiel, keine Empfehlung. Aber die Dimension ist entlarvend: Um rechnerisch auf etwa 10 Euro Gewinn zu kommen, hätten grob 67 Euro Einsatz gereicht.
67 Euro.
Während sich 35 Autos um zehn Euro „Vorteil“ streiten, würde eine Viertelstunde Beschäftigung mit dem eigenen Geld oft mehr verändern als jede Tankstellen-App. Aber genau das ist das deutsche Paradox: Fürs Tanken nehmen wir uns Zeit. Fürs Vermögen nicht.
Wir optimieren Centbeträge mit Hingabe – und ignorieren die großen Hebel: Budget, Notgroschen, Sparquote, langfristige Strategie. Wir fahren Umwege für 0,7 Cent Preisvorteil, aber investieren kaum Zeit darin, wie wir unsere Rücklagen überhaupt sinnvoll aufstellen. Und wenn dann eine Krise kommt, reagieren wir nicht mit Plan – sondern mit Panik.
Vielleicht ist das wirklich ein deutsches Phänomen: Wir lieben Ordnung, Kontrolle und das Gefühl, „etwas getan“ zu haben. Tanken ist greifbar. Geldanlage ist abstrakt. An der Zapfsäule blinkt die große Zahl, im Depot blinkt höchstens die App – und die macht vielen immer noch Angst.
Nur: Angst ist ein schlechter Ratgeber. An der Börse wie an der Tankstelle.
Und deshalb stehen sie wieder da, die langen Schlangen – als wäre es das erste Mal in der Geschichte. Dabei ist es jedes Mal dasselbe: Die Schlagzeile triggert, die Menge rennt los, und am Ende bleibt ein unerklärbares Paradox: Man opfert Zeit und Nerven, um ein paar Euro zu „sichern“ – statt sich einmal in Ruhe mit der Frage zu beschäftigen, wie man solche Phasen ohne hektische Reflexe übersteht.
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