SepNet Studiengruppe erhält diesjährigen Roger-Bone-Preis

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Publikation der SISPCT Studie in JAMA Int Med wird von Deutscher Sepsis Gesellschaft ausgezeichnet

SepNet Studiengruppe erhält diesjährigen Roger-Bone-Preis
Der US -amerikanische Intensivmediziner Roger C. Bone (1941-1997)

Der Roger-Bone-Preis wird jährlich für eine herausragende Publikation auf dem Gebiet der klinischen Sepsis Forschung an junge Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum vergeben. Benannt ist der Preis nach dem US -amerikanischen Intensivmediziner Roger C. Bone (1941-1997), der unter anderem für seine Sepsis Definition als “Invasion von Mikroorganismen und/oder deren Toxine in den Blutkreislauf, begleitet von Reaktionen des Körpers auf diese Invasion” bekannt ist – eine Definition der Sepsis, die noch heute ihre Gültigkeit besitzt.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 280.000 Menschen an einer Sepsis, knapp 70.000 versterben. Damit ist die Erkrankung hierzulande die dritthäufigste Todesursache und einer der Hauptverursacher für Sterbefälle auf Intensivstationen. Die schwerste Verlaufsform – der septische Schock – führt bei der Hälfte der Patienten zum Tod. In der aufwändigen klinischen SISPCT-Studie, die nun von der Deutschen Sepsis Gesellschaft ausgezeichnet wurde, sollten zwei wichtige Fragestellungen in der Behandlung dieser Patienten geklärt werden:
Eine entscheidende Ursache für die hohe Sterblichkeit bei Sepsis ist die Fehlfunktion mehrerer Organe, auch wenn sie ursprünglich nicht von der auslösenden Infektion betroffen waren. Es wird vermutet, dass die Entstehung von Sauerstoffradikalen hierbei eine wichtige Rolle spielen könnte. Hier könnte die hoch-dosierte Gabe von Selen vorteilhaft sein, da Selen die körpereigenen Prozesse zur Elimination von Sauerstoffradikalen unterstützt. Die SISPCT-Studie untersuchte daher, ob die intravenöse Gabe von Selen die Sterblichkeit bei Sepsis vermindert.
In einer zweiten Fragestellung wurde der Biomarkers Procalcitonin untersucht. Die Messung der Konzentration dieses Biomarkers im Blut von Patienten wird bereits in der Sepsis-Diagnose eingesetzt. Es lässt sich mit wiederholten Procalcitonin-Messungen aber auch der Behandlungserfolg beurteilen. Es wurde daher untersucht, ob ein Maßnahmenkatalog anhand des Procalcitoninverlaufs die Patientenbehandlung optimiert und somit die Sterblichkeit vermindert.
Die Ergebnisse ihrer Studie, die in den Jahren 2009-2013 an insgesamt 33 Intensivstationen in Deutschland mit 1089 Patienten durchgeführt wurde, haben die Wissenschaftler der SepNet Critical Care Trials Group in der Juli Ausgabe des JAMA Internal Medicine, eines führenden Fachjournals der Amerikanischen Gesellschaft für Medizin, vorgestellt (1). Sie zeigten dabei auf, dass trotz Wiederherstellung normaler Selen-Konzentrationen im Blut durch Gabe von Natriumselenit die Sterblichkeit nach 28 Tagen unverändert blieb. Für das bereits bei Sepsis-Patienten vielerorts eingesetzte Selen gibt es daher nun keine Grundlage mehr. Die Steuerung der Antibiose durch Procalcitonin führte erwartungsgemäß zu einem leicht reduzierten Einsatz von Antibiotika, hatte jedoch ansonsten keinen weiteren Einfluss auf die Sterblichkeitsrate bei schwerer Sepsis und septischem Schock. Die Ergebnisse untermauern die Notwendigkeit weiterer Forschung, um zu verstehen, warum so viele Menschen an der Sepsis versterben, genau welche Rolle der Einsatz von Antoxidantien spielt und welche Rolle Biomarker in der Therapieoptimierung haben könnten.

Priv.-Doz. Frank Bloos, Oberarzt am Universitätsklinikum Jena ist Erstautor der Veröffentlichung und Mitglied der SepNet Studiengruppe: “Die Ergebnisse der SISPCT-Studie haben unser Wissen über die Sepsis um wichtige Bausteine erweitert, auch wenn die getesteten Strategien nicht den erhofften Durchbruch gebracht haben. Wir wissen nun, dass eine Selenbehandlung aller Sepsis-Patienten nicht zielführend ist. Dies wirft naturgemäß neue Fragen auf. Gibt es andere Antioxidantien, die besser wirken? Spielen Sauerstoffradikale überhaupt eine entscheidende Rolle in der Sepsis? Auch Behandlungsentscheidungen anhand des Procalcitonins führten nicht zu einer Verbesserung unserer Patienten. Auch hier wird nun weitere Forschung notwendig werden. Die Ergebnisse der SISPCT-Studie zeigen auch, wie schwierig es ist, Behandlungen für dieses komplexe Krankheitsbild zu finden.”

Die Verleihung des Roger-Bone-Preises findet mit freundlicher Unterstützung der Cytosorbents Europe GmbH während des diesjährigen DIVI-Kongresses im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch, dem 30.11.2016, 12:30 – 14:00 Uhr im Saal 4 des Congress Centrums Hamburg (CCH) statt.
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(1)Bloos et al. Effect of Sodium Selenite Administration and Procalcitonin-Guided Therapy on Mortality in Patients with Severe Sepsis or Septic Shock. A Randomized Clinical Trial . JAMA Intern Med. 2016 Sep 1;176(9):1266-76. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.2514

Über die Sepsis Stiftung

Allein in Deutschland sind pro Jahr 15.000-20.000 Sepsis-Tote vermeidbar.
Die Sepsis-Stiftung wurde im Jahr 2012 als Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Jena gegründet. Die Stiftung dient der Förderung der Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation zur frühzeitigen Diagnose, Behandlung, Prävention sowie der Minderung von Folgeschäden einer Sepsis. Die Haupttätigkeiten der Sepsis Stiftung liegen darin, Aufklärung innerhalb von Gesundheitsdiensten und Behörden zum Thema Sepsis zu leisten und durch Beeinflussung von Politik und Gesellschaft die Zahl der in Deutschland durch Sepsis Betroffenen nachhaltig zu senken.
Die Sepsis Stiftung ist zudem die rechtliche Dachorganisation für die SepNet Studiengruppe, einem Verbund von über 100 Ärzten und Wissenschaftlern bzw. 50 Kliniken und Universitäten aus ganz Deutschland, die in gemeinsamen Projekten Grundlagenforschung und klinische Studien rund um das Thema Sepsis betreiben. Als Mitglied der Global Sepsis Alliance, einem weltweiten Dachverband für über 50 Länderorganisationen, ist die Stiftung eng in Aktivitäten internationaler Sepsis Initiativen eingebunden.

Der 13. September ist Welt Sepsis Tag.

Kontakt
Sepsis Stiftung
Holger Ruchatz
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