Maschinen- und Anlagenbauer in Sachsen-Anhalt setzen auf Industrie 4.0

Maschinen- und Anlagenbauer in Sachsen-Anhalt setzen auf Industrie 4.0

Maschinen- und Anlagenbauer in Sachsen-Anhalt setzen auf Industrie 4.0

(Mynewsdesk) Die neue 62 Meter lange Fußgängerbrücke „Baakenhafen Mitte“ in der neuen Hamburger Hafen-City ist nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk. Unternehmen und Forscher aus Sachsen-Anhalt haben den Brückenbau in einem Pilotprojekt auch zur „Digitalen Baustelle“ gemacht. Mittels funkbasierter Tracking-Technologie wurden die Bauteile der Brücke bei der Herstellung im Werk der Stahlbau Magdeburg GmbH, wie auch bei der Montage getrackt.

Diese Informationen werden in einem vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg entwickelten Standortinformationssystems verarbeitet, das gleichzeitig in der Lage ist, Logistikabläufe zu simulieren, so dass der jeweilige Projektstatus von der Maschine bis zum Montage zukünftig auch durch den Kunden in Echtzeit abrufbar ist. Das innovative Industrie 4.0- Projekt „Digitaler Stahlbaufertiger“ wird durch das Land Sachsen-Anhalt und die EU gefördert.

Industrie 4.0 – Nach Einschätzung des VDI Verein Deutscher Ingenieure ist Sachsen-Anhalt für die vierte industrielle Revolution gut aufgestellt. Immer mehr Unternehmen erkennen die Relevanz der Digitalisierung und arbeiten teilweise bereits damit. Dem Maschinen- und Anlagenbau kommt in diesem Prozess eine besondere Bedeutung zu. Denn die Branche gehört zu den fünf stärksten Umsatzbringern und entwickelt sich weiterhin hervorragend. Sachsen-Anhalt verfügt aktuell über 364 Unternehmen, die dem Maschinen- und Anlagenbau zugeordnet werden. Diese erwirtschaften aktuell etwa 2,3 Milliarden Euro Umsatz. Etwa 80 Unternehmen mit 12.000 Beschäftigten sind direkt in der Branche tätig. Mehr als ein Drittel aller Betriebe im verarbeitenden Gewerbe Sachsen-Anhalts arbeiten auf dem Gebiet des Maschinenbaus sowie der Herstellung von Metallerzeugnissen und der Metallbearbeitung.

Sachsen-Anhalt ist eine Hochleistungsregion im Maschinen- und Anlagenbau mit internationaler Ausstrahlung. „Made in Sachsen-Anhalt“ ist weltweit gefragt: Fast 40 Prozent aller Verkäufe gehen ins Ausland. Das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt hat den Maschinen- und Anlagenbau als Treiber für das Land erkannt und die Branche in der „Regionalen Innovationsstrategie Sachsen-Anhalt 2014 bis 2020“ als einen der wirtschaftlichen Leitmärkte definiert, die es politisch zu unterstützen gilt. Dieser Zukunftsmarkt Sachsen-Anhalts heißt „Energie, Maschinen- und Anlagenbau sowie Ressourceneffizienz“.

Und die Auftragsbücher sind voll. In den vergangenen Jahren zeigten sich konstante Monatsumsatzwerte, die über dem Niveau des Vorjahres lagen. Ebenso konnten Betriebe der Metallerzeugung und -bearbeitung eine Erhöhung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. 150 Jahre Erfahrung bilden die Grundlage für diesen Erfolg. Weltweit tätige Unternehmen sind beispielsweise ENERCON GmbH, SKET Maschinen- und Anlagenbau GmbH, FAM Magdeburger Förderanlagen und Baumaschinen GmbH, MAP Werkzeugmaschinen GmbH oder die Laempe & Mössner GmbH. In den Chemieparks des Landes werden die großen Anlagen gebaut. Zur Chemieregion Mitteldeutschland gehören beispielsweise die Dow Olefinverbund GmbH oder die TOTAL Raffinerie am Chemiestandort Leuna, eine der modernsten Raffinerien Europas.

Früher Schwermaschinenbau-Zentrum, setzt Sachsen-Anhalt heute auf die Hightech-Produktion für Produzenten und Zulieferer der Maschinen- und Anlagenbaubranche. Als eines der führenden Bundesländer bei der Nutzung erneuerbarer Energien nutzt Sachsen-Anhalt in diesem Zukunftsmarkt zudem den bestehenden Technologievorsprung bei regenerativen Energieanlagen. Ein weiterer Standortvorteil: Im Land gibt es zudem qualifizierte, flexible Fachkräfte – und auf Ingenieurnachwuchs spezialisierte Universitäten unter anderem mit rund 11.000 Studenten der Ingenieurwissenschaften.

Um auch künftig bestehen zu können, muss der Zukunftsmarkt Maschinen-und Anlagenbau in Sachsen-Anhalt auf die Digitalisierung setzen. Der Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, Professor Michael Schenk, erwartet, dass durch die Digitalisierung von Produkten und Produktionsprozessen immense Potenziale gehoben werden können. Ganz besonders hoch seien die Chancen für kleine und mittelständische Unternehmen, wenn es gelingt, Unternehmen zur aktiven Mitgestaltung von digitalen Wertschöpfungsketten zu befähigen. Im Maschinen- und Anlagenbau Sachsen-Anhalt arbeitet ein überdurchschnittlich hoher Teil der Beschäftigten in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Laut dem Mittelstandsberichts des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2014 ist empirisch nachgewiesen, dass „mittelständische Betriebe eine hohe Innovationsneigung aufweisen“.

Vor allem aber ist Sachsen-Anhalt mit zwei Universitäten, vier Fachhochschulen und verschiedenen außeruniversitären Forschungseinrichtungen im wissenschaftlichen Bereich als Forschungsstandort überdurchschnittlich gut ausgestattet. „Diese hocheffiziente Wissenschafts- und Forschungslandschaft ist ein echter Standortfaktor des Landes, gerade bei der Industrie 4.0“, sagt Andrea Urbansky. Die Wissenschaftlerin vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF ist auch Geschäftsführerin des Zweckverbandes zur Förderung des Maschinen- und Anlagenbaus FASA.

„Die Interaktion zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist zwingend notwendig, um den Anschluss in die digitale Arbeitswelt nicht zu verpassen“, sagt Andrea Urbansky. Mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt hat der FASA e.V. Anfang dieses Jahres gemeinsam mit dem KAT (Kompetenznetzwerk für Angewandte und Transferorientierte Forschung) deshalb das „Partnernetzwerk Wirtschaft 4.0“ gestartet. Ziel ist die nachhaltige Bündelung der regionalen Aktivitäten im Bereich der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Verbreitung technologischer Neuentwicklungen. Unternehmer in Sachsen-Anhalt sollen ein noch besseres Verständnis dafür entwickeln, was dies für ihr Unternehmen bedeutet und wie die Schritte in Richtung der digitalen Vernetzung aussehen können.

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