Häusliche Gewalt: Erkennen und Dokumentieren

Am 11. November 2017 traf sich in Wiesbaden ein Expertenzirkel, um über den ärztlichen Umgang mit häuslicher Gewalt zu diskutieren. Neben der Erweiterung der Kenntnisse einer sensiblen Gesundheitsversorgung bei Partnergewalt stand die Anamnese und Befundung im Vordergrund.

Die einleitenden Worte sprach Dr. med. Klaus Doubek, Landesvorsitzender des Landesverbandes Hessen im Berufsverband der Frauenärzte e.V.

PD Dr. med. Hildegard Lilly Graß, Ärztin für Rechtsmedizin, referierte zum Thema „Medizinischer Notfall Gewalt: Besonderheiten in der medizinischen Versorgung“. In Ihrem Vortrag legte sie Wert darauf, genau zwischen der Dokumentation und der Diagnostik zu differenzieren und erinnerte daran, dass auch Bagatellbefunde im Kontext mit einer entsprechenden Vorgeschichte durchaus relevant sein können. Ein passendes Zitat von Goethe veranschaulichte ihre Botschaft: „Was ist das Schwerste von allem? Was dir das Leichteste dünket: Mit den Augen zu sehn, was vor den Augen dir lieget.“.

In seinem Vortrag zum Thema „Befunderhebung und gerichtsfeste Dokumentation bei Verdacht auf Gewaltanwendung bei Erwachsenen und Kindern“ stellte Prof. Dr. med. Dr. jur. Reinhard Dettmeyer die Arbeit des Forensischen Konsils Gießen (FoKoGi) vor. Als Gutachter bei der Beurteilung von Kindesmisshandlung und Kindestötung gab er Einblicke in die korrekte Befunderhebung, die im Praxisalltag unerlässlich für eine gerichtsfeste Dokumentation ist.

Einblicke aus der Sicht einer niedergelassen arbeitenden Allgemeinmedizinerin gab Dr. med. Ulrike Berg, die neben dem Herausstellen notwendiger Kompetenzen bei Behandler und Team auch Fragen zur Abrechnung in Fällen häuslicher Gewalt beantwortete.

Dr. Alexa Kunze, Oberärztin an der Klinik für Kinder und Jugendliche HELIOS HSK, Wiesbaden, stellte im Rahmen ihres Vortrags „Partnergewalt verletzt auch Kinder“ die interdisziplinäre KinderSchutzGruppe vor. Diese Einrichtung bietet Kindern und Jugendlichen, die mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdung aufgenommen werden, eine optimale Diagnostik, Versorgung und ggf. Vernetzung mit der Jugendhilfe.

Katrin Rinke, Wieder Lachen e.V., Zahnmedizinische Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt nahm auf Einladung von Nancy Gage-Lindner, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration und Saskia Veit-Prang, kommunale Frauenbeauftragte der Stadt Wiesbaden, an der Veranstaltung teil. Mit der Aktion „Lächeln schenken!“ organisiert Wieder Lachen e.V. die zahnmedizinische Behandlung und zahntechnische Versorgung von Opfern häuslicher Gewalt. Der Verein nutzte das interdisziplinäre Treffen, um Informationen für ein geplantes Schulungsprogramm für Praxisteams im Umgang mit Gewaltopfern und das Erstellen einer Leitlinie zur zahnärztlichen Versorgung von Gewaltopfern zu sammeln.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Thema „häusliche Gewalt“ zwar in den letzten Jahren mehr in den Fokus der allgemeinen Wahrnehmung gerückt ist, aber trotzdem noch beachtliche Aufklärungsarbeit zu leisten ist, um sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit sachliche und nützliche Informationen zur Verfügung zu stellen.

Wieder Lachen e.V.
Katrin Rinke
Dettinger Straße 10a

63791 Karlstein
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E-Mail: info@wieder-lachen.com
Homepage: http://www.wieder-lachen.com
Telefon: 06188-991695

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