Gabriele Münter. Die Blaue Reiterin und ihr Freundeskreis

Bonner Frauenmuseum ehrt Gabriele Münter

Gabriele Münter. Die Blaue Reiterin und ihr Freundeskreis

Gabriele Münter schiebt den Blauen Reiter an, 2014 (Bildquelle: Christine Theile)

Das Bonner Frauenmuseum präsentiert vom 14. Dezember 2014 bis 8. März 2015 eine Hommage an Gabriele Münter. Sechs Mal wurde der GABRIELE MÜNTER PREIS bereits vergeben, aber noch nie war die Namensgeberin selbst Thema im Haus. Mit der Ausstellung „Gabriele Münter. Die Blaue Reiterin und ihr Freundeskreis“ wird die Künstlerin nun erstmals auch persönlich geehrt. Eingeleitet wird die Schau von einer kunsthistorischen Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte und der Dokumentation der letzten sechs Preisvergaben.
80 Künstlerinnen spiegeln das Leben und Werk Gabriele Münters in Film, Foto, Malerei, Grafik, Skulptur und Installationen. Die Ausstellung präsentiert vier übergeordnete Themenblöcke: Porträt, Blauer Reiter, Landschaft und Berge, sowie ein „Kunstgarten“ mit Blumen, Gärten, Münterhaus und Stillleben.
Im „Porträt-Teil“ sind etwa das leuchtende Hinterglasbild von Rita De Muynck oder Carola Pascholds und Petra Mohrs großformatige Portraits von Gabriele Münter zu sehen. Daniela Flörsheim zeigt eine Übermalung des bekannten Fotos aus Münters Jugendjahren in Amerika. Christa Kolling spielt Malschülerin von Markus Lüpertz. Aus dem Bereich Skulptur fällt Germaine Richters farbenfrohe Reliquienbüste von Gabriele Münter „Was bleibt“ ins Auge sowie Bettina Meyers Plastik „for Gabriele Münter“ – bestehend aus aufeinandergelegten Holzblöcken, die ein stark abstrahiertes Gesicht ergeben.

Im zweiten Teil geht es um das große Thema Blauer Reiter und damit um Koloristik, Farblicht, Symbolik, das Bewegungsmotiv und die Kunstideologie, die Gabriele Münter durchbrochen hat. Rosenbachs „die bleue Reiterin“ kommt ironisch daher. Christine Theile malte eine Gabriele Münter, wie sie ein blaues Pferd samt Kandinsky, den Treulosen, energisch aus dem Gemälde wegschiebt. Simone Rethel-Heesters zeigt den Freundeskreis „Spät nachts“. Teresa Wojciechowska thematisiert die Trennung vom Freundeskreis in ihrer Installation und dem Video-Experimental-Kurzfilm: „Nordlichter für Gabriele“ nimmt Bezug zu Münters Zeit im schwedischen Exil. Münters bekanntes Werk „Kahnfahrt“ hat gleich mehrere Künstlerinnen inspiriert: Die 15jährige Luca Marie Reinsch (Valentine Rothe Preis-Trägerin 2014) hat es kopiert, Corinna Heumann versetzt es mit Motiven der Pop Art und Ingrid Scheller zeigt den Freundeskreis in der ihr eigenen Malweise, der gestischen Form der Abstraktion.
Raumgreifend ist Eva-Maria Salms Installation „Bewegter Freundeskreis“ – eine Arbeit, in der die BesucherInnen sich interaktiv in eine Tafelrunde einfügen können. Monika Ortmann inszeniert die blaue Reiterin als eine übergroße Figurine in einem „Blaustrumpfnetzwerk“. Boris von Reibnitz erinnert mit seiner Holzskulptur an die Geschehnisse während des Ersten Weltkrieges – die Blaue Reiterin fügt sich in eine „Schicksalsgemeinschaft“ ein.
Im dritten Teil findet man all jene Werke, die sich mit Münters Landschaftsmalerei auseinandergesetzt haben, etwa Petra Böttchers Lochkamerafotografien oder Anne R. Kieschnick, die Werke Münters in einem blauen Raum inszeniert. Heike Schwegmanns zarte Aquarelle entführen in abstrakte, visionäre Landschaften. Susanna Neunast übersetzt in einer aufwändigen Videoinstallation das berühmte Straßenbild der Vorgängerin „Gerade Straße“ in eine dreidimensionale Version.

Und zum Schluss ein „Kunstgarten“, in dem ein Meer aus bunten Blumenbildern, Stillleben und Arbeiten zum Münterhaus zusammengefasst ist. Judith Wanzers Rauminstallation „Waiting for W.“ besteht aus mehreren farbigen Landschaftsteilen. Heide Weideles Installation „kandinsky räumlich weitergedacht“ besticht durch satte Farbkontraste und Lichteffekte. Kraftvoll in den Farben und Linien auch die Häuser und Gärten in den Gemälden von Valentine Rothe und Gertraud Salamon. Diese expressive Farbigkeit findet sich auch in den digitalen Collagen Hertha Miessners wieder, in denen alle grauen Schatten eliminiert sind, was die Lichtwirkung deutlich erhöht. Stark auch Lissy Winterhoffs Fotogramme von knorrigen, wildwachsenden Pflanzen, Baum- und Strauchästen.
Die Ausstellung ist ein Projekt des Gabriele Münter Preis e.V. Die Projektverantwortlichen, die seit Jahren für die Fortführung des GABRIELE MÜNTER PREISES werben, möchten mit dieser Ausstellung einen Auftakt zur 7. Preisvergabe geben (Auslobung im Frühjahr 2015).
Es erscheint ein Katalog.
Öffentliche Führungen jeden Sonntag um 13 Uhr.

Vernissage:
14.12.2014 um 14 Uhr
Begrüßung Marianne Pitzen, Direktorin Frauenmuseum Bonn
Grußwort Dr. Claudia Lücking-Michel, MdB
Einführung Susanne Meier-Faust M.A.
Musikprogramm

Wir danken dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bonn und Alfred Ritter GmbH & Co.KG für die Förderung.

Das erste Frauenmuseum weltweit zeigt Kunst und Geschichte von Frauen – interdisziplinär und international. Themenausstellungen greifen aktuelle Diskussionen und wissenschaftliche Forschungsergebnisse auf. Insbesondere die Geschichte der Frauen von matriarchaler Vorzeit bis in unsere Gegenwart wird lebendig dargestellt.

Wer zum ersten Mal in dieses Museum kommt, der staunt in der Regel nicht schlecht: Das Bonner Frauenmuseum ist mit Sicherheit kein Museum, das sich in die Phalanx der rheinischen Museumslandschaft nahtlos einfügt. Warum nicht?
Dieses Museum ist definitiv näher am Puls der Zeit: Die Ausstellungen greifen aktuelle Fragen, wissenschaftliche Forschungsergebnisse und politische Diskussionen auf. Darunter brisante Themen wie Sexhandel, Mythos Mutter, Frauenwahlrecht, Alleinerziehende, Frauen der Weltreligionen. Das Frauenmuseum ist schneller als andere: Die Themenausstellungen wechseln im Schnitt alle drei Monate. Und es ist ein Museum, das weit mehr unternimmt als klassische Ausstellungstätigkeit. Die Kunstmesse im November und die Mode- und Kunstkleidermesse im März sind solche Highlights. Spätestens an solchen Wochenenden wird auch dem letzten Besucher klar: Das Frauenmuseum ist ein offenes Haus, ein Labor, bereit für viele Experimente und noch nicht Erprobtes. Hier gibt es die innovativen Dinge zu sehen, die noch nicht unter dem Diktat des Kunstmarktes stehen, sondern noch frisch (im wahrsten Sinne des Wortes) sind. Klar, diese Museumsphilosophie ist auch eine Herausforderung für Besucher. Hier geht es nicht um Kunstkonsum, sondern vor allem um das aktive Kunsterlebnis – leichter ist: ein Picasso ist eben ein Picasso, ein Picasso…

Dürfen Männer ins Frauenmuseum? Klar: Für nur 4,50€ dürfen sie sich bilden und inspirieren lassen und mittlerweile erlauben die Museumsfrauen ausgewählten Künstlern sogar im Haus auszustellen.
Gegründet wurde das Museum 1981 von Marianne Pitzen, der heutigen Direktorin, und einer Gruppe interdisziplinär arbeitender Frauen. Getragen wird es unter anderem vom Verein „Frauenmuseum – Kunst, Kultur, Forschung e.V.“ mit knapp 400 Mitgliedern. Mittlerweile schaut das Frauenmuseum auf über 600 Ausstellungen zurück und ist mit seinen umfangreichen Begleitprogrammen, dem Kinderatelier und drei unterschiedlichen Archiven längst zu einer auch international anerkannten Institution geworden. Den Modellcharakter des Museums als Werkstatt, Ideenpool und Laboratorium unterstützen zusätzliche Atelierräume für Künstlerinnen. Seit Bestehen des Museums wurden Arbeiten von mehr als 2500 Künstlerinnen gezeigt. Viele von ihnen konnten sich inzwischen auf dem internationalen Kunstmarkt etablieren. Das Frauenmuseum Bonn ist außerdem Sitz des 2012 gegründeten Verbandes International Association of Women’s Museums.

Kommende Ausstellungen:

Bis 30.01.2015 Theobald Simon Preis der GEDOK, Ausstellung der Preisträgerin Rose Stach

20./21./22.03.15
Femme 5 – die fünfte Modemesse im Frauenmuseum mit Modenschau, Sonderaus-stellungen & Events, ca. 80 Designerinnen präsentieren ihre aktuellsten Kreationen.

19.4. bis 8.11.2015
Krieg und Frieden. Frauen im Ersten Weltkrieg – Geschichte, Dokumente und zeitgenössische Kunst.

Kontakt
Frauenmuseum
Dr. Klaudia Nebelin
Im Krausfeld
53111 Bonn
0228 92 89 45 27
klaudia.nebelin@frauenmuseum.de
http://www.frauenmuseum.de

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